Leben und altern - gelingend altern mit Lebensfreude

Im Bekanntenkreis fällt der Satz meist beiläufig: „Wir haben uns jetzt mal Wohnungen angeschaut. Vorsichtshalber.“ Und plötzlich steht die Frage im eigenen Wohnzimmer: Müsste ich nicht auch langsam…?

Meine Antwort aus der Forschung: vermutlich nicht. Ob du in deinen vier Wänden alt werden kannst, entscheidet weniger dein Alter als deine Wohnung selbst – und an der lässt sich erstaunlich viel verändern. Genau darum geht es in diesem Beitrag: ein Plan in drei Schritten, mit dem du deine Wohnung fit für die nächsten Jahrzehnte machst, lange bevor es nötig wird.


Warum ist Zuhause-Bleiben realistischer, als viele denken?

Der Gedanke ans Heim taucht bei vielen früher auf, als es die Wirklichkeit hergibt. Die Zahlen sprechen da eine klare Sprache: Nach der Pflegestatistik des Statistischen Bundesamts werden 86 Prozent aller Pflegebedürftigen in Deutschland zu Hause versorgt – knapp neun von zehn. Das vertraute Zuhause ist also nicht die Ausnahme, es ist der Normalfall. Und die meisten Menschen, um die es hier geht, sind deutlich älter als du heute.

Dieses Thema hat mich schon im Studium der Integrierten Gerontologie nicht losgelassen – „Ageing in Place“, das Altwerden im vertrauten Zuhause, war einer meiner Schwerpunkte. Was die Forschung dabei immer wieder zeigt: Es scheitert selten an der Gesundheit allein. Es scheitert an Treppen ohne Geländer, an dunklen Fluren, an Badewannen mit hohem Einstieg. Lauter Dinge, die sich ändern lassen.


Schritt 1: Wo kostet dich deine Wohnung unnötig Kraft?

Geh einmal mit wachem Blick durch deine Räume – am besten heute, solange alles noch leicht fällt. Du suchst die Stellen, an denen deine Wohnung gegen dich arbeitet:

  • Eingang: Stufen ohne Handlauf? Licht mit Bewegungsmelder vorhanden?
  • Treppe: Geländer auf beiden Seiten? Kanten gut sichtbar?
  • Bad: Wie kommst du in zehn Jahren in diese Wanne?
  • Küche: Stehst du regelmäßig auf der Trittleiter, um an Alltagsdinge zu kommen?
  • Schlafzimmer: Betthöhe, Weg zur Toilette bei Nacht, Lichtschalter vom Bett erreichbar?
  • Wege: Lose Teppichkanten, Kabel, dunkle Ecken?

Du wirst mehr finden, als dir lieb ist. Deshalb der wichtigste Teil von Schritt 1: Wähl die zwei, drei kritischsten Stellen aus. Meistens sind das Bad, Treppe und Licht. Der Rest darf warten.


Schritt 2: Was verbesserst du sofort, ohne Umbau?

Vieles kostet keine 100 Euro und einen Samstagvormittag: hellere Leuchtmittel in Flur und Treppe, Bewegungsmelder für die Nacht, Anti-Rutsch-Streifen, lose Teppiche weg oder festkleben, die wichtigsten Küchendinge aus dem Hängeschrank in Griffhöhe räumen.

Und dann das Unterschätzte: weniger Dinge. Jede Kiste, die geht, macht Wege frei und Putzen leichter. Nimm dir pro Woche einen Raum vor – nicht alles auf einmal, sondern dranbleiben in kleinen Runden. So bleibt es ein Projekt und wird keine Last.


Schritt 3: Was gleicht aus, was nicht mehr von allein geht?

Irgendwann reichen hellere Lampen nicht mehr – dann kommen die klugen Helfer dran. Haltegriffe an Dusche und Wanne, ein Duschhocker, ein erhöhtes Bett, später vielleicht ein Hausnotruf oder eine Hilfe, die alle zwei Wochen putzt. Das ist kein Eingeständnis, das ist Strategie: Du tauschst ein bisschen Technik gegen viele Jahre im eigenen Zuhause.

Gut zu wissen: Für vieles davon musst du nicht allein zahlen. Die Pflegekasse bezuschusst wohnumfeldverbessernde Maßnahmen, und schon ab Pflegegrad 1 steht dir monatlich Geld für Alltagshilfen zu – wie das funktioniert, liest du im Beitrag über den Entlastungsbetrag. Und falls dich grundsätzlich interessiert, wie kluges Ausgleichen im Alltag aussieht: die fünf Tricks zum Ausgleichen kleiner Altersveränderungen gehen genau da weiter.


Deine Freundin darf gern weiter Wohnungen anschauen. Du gehst derweil mit dem Zettel durch dein Zuhause – und machst aus der Frage „Wie lange kann ich bleiben?“ einen Plan. Die drei Schritte dahinter heißen Auswählen, Dranbleiben und Ausgleichen. Sie tragen übrigens nicht nur beim Wohnen. Warum, das steht im Beitrag über das glückliche Älterwerden.

Was kostet das alles – und wer hilft beim Bezahlen?

Bleibt die Frage, die bei jedem Umbaugedanken mit am Tisch sitzt: das Geld. Die beruhigende Antwort: Schritt eins und zwei aus diesem Plan kosten zusammen weniger als ein Wochenendtrip – hellere Lampen, Anti-Rutsch-Streifen und Aufräumen sind Kleingeld-Investitionen mit großer Wirkung. Teurer wird es erst bei Schritt drei, und genau dort hilft der Staat kräftig mit: Die Pflegekasse bezuschusst wohnumfeldverbessernde Maßnahmen mit einem eigenen Budget je Maßnahme, sobald ein Pflegegrad vorliegt – auch Pflegegrad 1 reicht dafür. Die KfW legt je nach Programmlage Förderungen für altersgerechtes Umbauen auf, und Handwerkerleistungen lassen sich anteilig von der Steuer abziehen.

Die kluge Reihenfolge lautet deshalb: erst den Bedarf klären, dann die Töpfe prüfen, dann beauftragen – wer andersherum vorgeht und erst baut, verschenkt Zuschüsse, denn die meisten müssen vor Beginn beantragt werden. Ein Nachmittag Papierkram, der sich vierstellig auszahlen kann.

Geniess dein Leben. Du hast nur eins.

Marlis

Wer schreibt hier?

Ich bin Marlis Schorcht und ich schreibe hier über das, was viele lieber verdrängen: dass wir älter werden. Nicht irgendwann, sondern jetzt, jeden Tag.

Warum ich das tue:
Weil Altern keine Krankheit ist, die man bekämpfen muss, sondern eine Lebensphase, die man gestalten kann. Bewusst, selbstbestimmt, ohne Angst.

Auf Leben-und-Altern.de schreibe ich über das Leben nach der Arbeit, über Sinn, Gesundheit, Beziehungen, Einsamkeit und Geld. Über die 20 Jahre, über die kaum jemand spricht und darüber, wie man sie mit mehr Lebensqualität, Klarheit und Gelassenheit erleben kann.

Schreib mir gern:
Wenn du Gedanken, Fragen oder Herausforderungen zum Thema hast. Oder wenn du etwas erlebt hast, das anderen Mut machen könnte, etwas, das dich verändert oder weitergebracht hat.

Ich freue mich auf den Austausch: Schreib mir eine e-Mail.

Marlis Schorcht sitzt am Schreibtisch und lächelt in die Kamera
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