Leben und altern - gelingend altern mit Lebensfreude

Irgendwo steht sie fast immer: die Kiste mit dem Vorhaben von damals. Die Aquarellfarben, kaum angerührt. Die Gitarre, drei Akkorde weit gekommen. Und beim Aufräumen jedes Mal derselbe Gedanke: „Dafür ist es jetzt eh zu spät.“

Diesen Satz höre ich oft, wenn es um ein neues Hobby ab 60 geht. Die Forschung sagt ziemlich klar das Gegenteil. Mehr noch: Der Ruhestand ist die beste Hobby-Phase deines Lebens, weil deine Zeit zum ersten Mal seit Jahrzehnten wirklich dir gehört. Wie du herausfindest, was zu dir passt – und warum du auf keinen Fall mit dem Einkaufen anfangen solltest – darum geht es hier.


Warum ist es nie zu spät für ein neues Hobby?

Dein Gehirn lernt bis zum letzten Tag. Es lernt anders als mit 25, aber es lernt – das ist eine der am besten belegten Erkenntnisse der Altersforschung. Wie das konkret funktioniert, mit welchen vier Stufen du am leichtesten vorankommst, habe ich im Beitrag über das Lernen mit 70 beschrieben.

Und du wärst in bester Gesellschaft: Der Deutsche Alterssurvey zeigt seit Jahren, wie aktiv sich Menschen zwischen 60 und 90 einbringen – in Vereinen, Ehrenämtern, Kursen. Die Vorstellung vom stillen Lebensabend ist ein Bild von gestern.

Was viele dabei übersehen: Du suchst kein Hobby, das du schon kannst. Anfängerin oder Anfänger sein zu dürfen ist das vielleicht größte Privileg dieser Lebensphase: keine Noten, kein Chef, kein Vergleich. Niemand erwartet etwas. Du darfst einfach schlecht sein und besser werden.


Wie findest du ein Hobby, das wirklich zu dir passt?

Nicht über Listen mit „den 20 besten Hobbys“. Sondern über drei Fragen, die du dir bei einer Tasse Kaffee stellst:

  • Wovon erzählst du gern? Die Themen, bei denen du in Gesprächen aufblühst, sind eine heiße Spur.
  • Wobei vergisst du die Zeit? Auch im Kleinen: beim Sortieren von Fotos, beim Werkeln, beim Rätseln, draußen.
  • Was wolltest du mit 25 anfangen – und dann kam das Leben dazwischen? Die Kiste im Keller weiß die Antwort oft schon.

Wichtig ist der nächste Schritt: Wähl eins aus. Nicht drei. Wer alles gleichzeitig anfängt, hört meist alles gleichzeitig wieder auf. Dieses bewusste Auswählen ist übrigens der erste von drei Schritten, die zufriedene Ältere laut Forschung anders machen – nachzulesen in meinem Beitrag über das glückliche Älterwerden.


Wie fängst du an, ohne dich zu verzetteln?

Mit der wichtigsten Regel überhaupt: Erst schnuppern, dann shoppen. Kauf nicht zuerst die Ausrüstung. Das teure E-Piano, die komplette Malausstattung, die Profi-Kamera – all das setzt dich unter Druck, bevor du weißt, ob die Sache dich trägt.

Stattdessen: Schnupperkurs an der Volkshochschule, geliehenes Instrument, eine einzige Probestunde. Wer es größer mag, findet auch dafür Formate – ein Schnuppertörn beim Segeln lernen* zum Beispiel kostet einen Nachmittag und beantwortet die Frage „Ist das was für mich?“ besser als jede Recherche. Wind, Wasser, ein bisschen Herzklopfen – danach weißt du es.

Und fürs Dranbleiben gilt: Verabrede dich. Ein fester Kurstermin, eine Freundin, die mitmacht, eine Gruppe, die nach dir fragt – das hält besser als jeder Vorsatz. Gewohnheiten brauchen ein paar Wochen, bis sie von allein laufen. Ein verpasster Termin wirft dich dabei nicht zurück, er gehört dazu.


Was, wenn die alte Variante nicht mehr geht?

Dann nimm die kluge Variante. Das Rennrad war gestern, das E-Bike fährt dieselben Strecken mit Rückenwind. Das Bodenbeet wird zum Hochbeet. Aus der Tagestour wird die Halbtagestour mit Einkehr – ehrlich gesagt die schönere Version. Anpassen ist kein Abstieg, sondern die Kunst, beim Wesentlichen zu bleiben: dem, was dir die Sache bedeutet.

Wenn dich solche Alltags-Kniffe interessieren, der Beitrag über das clevere Ausgleichen kleiner Altersveränderungen geht da noch tiefer.

Also: Geh runter in den Keller, öffne die Kiste – oder mach eine neue auf. Und falls dich beim Lesen das Wasser gerufen hat: So ein Segel-Schnupperkurs* ist schneller gebucht, als die alte Kiste sortiert ist. Erlaubt ist, was Freude macht.


Geniess dein Leben. Du hast nur eins.

Marlis

Wer schreibt hier?

Ich bin Marlis Schorcht und ich schreibe hier über das, was viele lieber verdrängen: dass wir älter werden. Nicht irgendwann, sondern jetzt, jeden Tag.

Warum ich das tue:
Weil Altern keine Krankheit ist, die man bekämpfen muss, sondern eine Lebensphase, die man gestalten kann. Bewusst, selbstbestimmt, ohne Angst.

Auf Leben-und-Altern.de schreibe ich über das Leben nach der Arbeit, über Sinn, Gesundheit, Beziehungen, Einsamkeit und Geld. Über die 20 Jahre, über die kaum jemand spricht und darüber, wie man sie mit mehr Lebensqualität, Klarheit und Gelassenheit erleben kann.

Schreib mir gern:
Wenn du Gedanken, Fragen oder Herausforderungen zum Thema hast. Oder wenn du etwas erlebt hast, das anderen Mut machen könnte, etwas, das dich verändert oder weitergebracht hat.

Ich freue mich auf den Austausch: Schreib mir eine e-Mail.

Marlis Schorcht sitzt am Schreibtisch und lächelt in die Kamera
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