Leben und altern - gelingend altern mit Lebensfreude

Samstagmorgen, halb zehn. Irgendwo in der Siedlung springt der erste Rasenmäher an, und du weißt: Das ist der Startschuss. Mähen, Kanten stechen, Unkraut zupfen, Hecke in Form bringen – der Garten, einst dein Stolz und deine Erholung, hat sich klammheimlich in einen Arbeitgeber verwandelt. Einen, der keine Rente kennt.

Dabei war die Abmachung mal eine andere: Der Garten sollte Freude machen, nicht Wochenenden verschlingen. Die gute Botschaft aus vielen Gärten, die ich bei meinen Recherchen gesehen habe: Du kannst die Abmachung neu verhandeln. Ein pflegeleichter Garten ist kein kahler Garten – er ist einer, der nach dir aussieht, aber von allein zurechtkommt. Welche Pflanzen das leisten, was Wasser und Technik beitragen, wo Kunstrasen ehrlich betrachtet hingehört und wo nicht: einmal komplett durchgeplant.


Wo frisst dein Garten die meiste Zeit?

Bevor du etwas veränderst, lohnt eine ehrliche Bestandsaufnahme – am besten von der Gartenbank aus, mit Kaffee. Bei den meisten sind es drei Posten: der Rasen, der alle ein, zwei Wochen verlangt, gemäht zu werden. Die Beete, in denen das Unkraut schneller wächst als alles Gepflanzte. Und die Ecken, die nie schön werden, aber trotzdem Arbeit machen – der Schattenstreifen hinterm Haus, der Trampelpfad zum Kompost, das Stück, wo der Rasen unter dem Trampolin der Enkel längst kapituliert hat.

Diese Liste ist dein Plan: Du musst nicht den Garten umbauen, nur seine größten Zeitfresser. Und am besten einen pro Saison – der pflegeleichte Garten ist ein Umbau in Etappen, kein Gewaltakt im Frühjahr.


Was wächst von allein schön?

Die eleganteste Antwort auf die Unkrautfrage kommt aus der Staudengärtnerei: Bodendecker schließen Beete so dicht, dass Unkraut schlicht keinen Platz findet – einmal gepflanzt, jahrelang Ruhe und jedes Jahr Blüten. Für sonnige Lagen leisten das Storchschnabel, Katzenminze und Golderdbeere, im Schatten übernehmen Elfenblume, Waldsteinie und Funkien – und genau damit verwandelt sich der hoffnungslose Streifen hinterm Haus von der Problemzone in den grünsten Teil des Gartens. Faustregel fürs Einkaufen: Frag in der Gärtnerei nicht nach „schön“, frag nach „robust für meinen Standort“. Die Antwort spart dir mehr Stunden als jedes Gerät.

Beim Rasen gilt die Verkleinerungstaktik: Ersetz ihn stückweise durch Kies- und Staudenbeete oder eine Wildblumeninsel, die nur noch zweimal im Jahr die Sense sehen will statt wöchentlich den Mäher. Was übrig bleibt, darf ruhig länger werden – ein paar Zentimeter mehr Halm bedeuten weniger Gießen, weniger Mähen und mehr Leben im Gras. Wer dabei Bienen und Igeln etwas Gutes tun will, findet beim NABU reichlich Anregungen für den naturnahen, pflegearmen Garten. Und Hochbeete bringen die verbliebene Beetarbeit auf Rückenhöhe – warum das mehr Würde als Verzicht ist, erzählt der Beitrag darüber, wie du dich anpasst, ohne dich selbst zu verlieren.


Welche Technik lohnt sich – und welche nicht?

Bleibt die Verlockung aus dem Baumarkt-Prospekt, und da lohnt Differenzieren. Unschlagbar fürs Verhältnis von Preis zu gesparter Zeit: Mulch – eine Schicht Rindenmulch oder Rasenschnitt auf den Beeten hält Feuchtigkeit im Boden und Unkraut im Zaum, kostet fast nichts. Ebenfalls lohnend: ein Tropfschlauch oder eine einfache Bewässerung mit Zeitschaltuhr für Beete und Kübel; das tägliche Kannenschleppen ist bei Sommerhitze der heimliche Knochenjob des Gartens.

Beim Mähroboter bin ich ehrlich gespalten: Er nimmt dir die lästigste Arbeit komplett ab – aber er ist eine reale Gefahr für Igel, besonders in der Dämmerung. Wenn Roboter, dann nur mit Tagfahrplan und regelmäßigem Blick unter die Hecken. Und der Häcksler, die Motorsense, der Vertikutierer? Erst leihen, dann kaufen – die meisten Geräte arbeiten in deutschen Garagen genau zwei Stunden pro Jahr.


Wann ist Kunstrasen eine ehrliche Option – und wann nicht?

Jetzt zum Reizthema, und zwar ohne Schönfärberei in beide Richtungen. Kunstrasen ist Plastik – er bietet Bienen nichts, lässt Regen schlechter versickern, heizt sich im Hochsommer spürbar auf und muss irgendwann entsorgt werden – zu Mikroplastik und versiegelten Flächen informiert das Umweltbundesamt ausführlich. Für die große Gartenfläche ist er deshalb aus meiner Sicht die falsche Wahl; die lebendigen Alternativen oben sind schöner, kühler und auf Dauer sogar billiger. Und trotzdem hat er berechtigte Einsatzorte: genau die Problemzonen von der Liste. Der dunkle Streifen, in dem seit Jahren nichts wächst. Der Vorplatz vom Geräteschuppen, der Bereich um die Mülltonnen. Der Balkon oder die Dachterrasse, die grün aussehen sollen, ohne dass jemand Erde in den dritten Stock schleppt. Dort spielt moderner Kunstrasen seine Stärken aus: immer ordentlich, nie mähen, fertig. Ob sich Optik und Haptik echt genug anfühlen, musst du nicht glauben, sondern kannst es prüfen – bei einem Kunstrasen-Anbieter mit kostenlosem Muster* lässt du dir einfach ein Stück schicken und legst es probehalber an die fragliche Stelle. Achte beim Vergleich auf Halmhöhe, UV-Beständigkeit und eine wasserdurchlässige Trägerschicht.


Holzbank mitten im Garten - pflegeleichter Garten ab 60
Foto: Robyn Louise / Unsplash

Wie machst du es dir draußen bequem?

Der eigentliche Sinn der ganzen Übung kommt zum Schluss: die gewonnene Zeit. Stell die Bank dorthin, wo nachmittags die Sonne steht, nicht dorthin, wo sie schon immer stand. Pflanz dir etwas Duftendes daneben – Lavendel ist robust und mückenfeindlich, zwei Fliegen mit einer Staude. Und wenn du beim Umgestalten merkst, wie gut Reduzieren tut: Das Prinzip funktioniert im Haus genauso wie im Beet. Der Samstagmorgen gehört dann wieder dir. Sollen die anderen mähen – du sitzt mit Kaffee zwischen Storchschnabel und Lavendel und hast das gute Gefühl, den Garten ausgetrickst zu haben. Mit seinen eigenen Mitteln: Natur, die sich selbst genügt. Und für die eine hoffnungslose Ecke liegt ja das Gratis-Muster* schon im Briefkasten.

Geniess dein Leben. Du hast nur eins.

Marlis

Wer schreibt hier?

Ich bin Marlis Schorcht und ich schreibe hier über das, was viele lieber verdrängen: dass wir älter werden. Nicht irgendwann, sondern jetzt, jeden Tag.

Warum ich das tue:
Weil Altern keine Krankheit ist, die man bekämpfen muss, sondern eine Lebensphase, die man gestalten kann. Bewusst, selbstbestimmt, ohne Angst.

Auf Leben-und-Altern.de schreibe ich über das Leben nach der Arbeit, über Sinn, Gesundheit, Beziehungen, Einsamkeit und Geld. Über die 20 Jahre, über die kaum jemand spricht und darüber, wie man sie mit mehr Lebensqualität, Klarheit und Gelassenheit erleben kann.

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Wenn du Gedanken, Fragen oder Herausforderungen zum Thema hast. Oder wenn du etwas erlebt hast, das anderen Mut machen könnte, etwas, das dich verändert oder weitergebracht hat.

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Marlis Schorcht sitzt am Schreibtisch und lächelt in die Kamera
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