Vor ein paar Monaten habe ich mich zum ersten Mal mit Pflegeboxen beschäftigt – also mit diesen monatlichen Paketen, die pflegende Angehörige kostenlos von der Pflegekasse bekommen. Seitdem erreichen mich immer wieder die gleichen Fragen zum Pflegebox-Inhalt: Was ist da eigentlich genau drin? Kann ich mir Creme oder Duschgel dazubestellen? Und zahlt die Kasse das?
Je mehr ich mich damit beschäftige, desto klarer wird mir: Die Verwirrung kommt nicht daher, dass das Thema so kompliziert wäre. Sie kommt daher, dass die meisten Informationen im Netz von Anbietern stammen, die dir eine Box verkaufen wollen. Und die erklären natürlich nur das, was dem Verkauf dient.
Also hier meine Zusammenfassung. Aus Gesetzen, Foren und Gesprächen, nicht aus Werbetexten.
Was steckt wirklich in einer Pflegebox?
Eine Pflegebox enthält sogenannte Pflegehilfsmittel zum Verbrauch – also Produkte, die bei der häuslichen Pflege regelmässig verbraucht werden. Die Pflegekasse übernimmt davon bis zu 42 Euro im Monat, ohne Rezept und ohne Zuzahlung.
Was in die Pflegebox darf und was nicht, regelt das GKV-Hilfsmittelverzeichnis unter Produktgruppe 54. Das klingt jetzt erstmal bürokratisch, aber es ist im Kern ziemlich überschaubar:
– Einmalhandschuhe (Latex, Nitril oder Vinyl)
– Hände- und Flächendesinfektionsmittel
– Mundschutz und FFP2-Masken
– Einweg-Schutzschürzen
– Saugende Bettschutzeinlagen
– Fingerlinge und Schutzservietten
Das war’s. Acht Produktkategorien. Fällt dir was auf? Es geht außchließlich um Schutz und Hygiene bei der Pflege. Also darum, dich als pflegende Person zu schützen und die Pflege hygienisch durchführen zu können. In der Praxis brauchen die meisten Menschen vor allem Handschuhe, Desinfektionsmittel und Bettschutzeinlagen – der Rest hängt von der konkreten Situation ab.
Voraußetzung für die Pflegebox ist ein Pflegegrad (1 bis 5 reicht, auch Pflegegrad 1!) und dass die Pflege zu Hause stattfindet. Den genauen Beantragungsweg habe ich in meinem Beitrag zu Pflegehilfsmitteln zusammengefasst. Falls du noch keinen Pflegegrad hast, kann dir Familiara kostenlos beim Antrag helfen.
Zahlt die Pflegekasse auch Creme?
Nein. Und das ist der Punkt, über den die meisten Anbieter-Websites lieber nicht so deutlich reden.
Cremes, Hautlotionen und Körperpflegeprodukte gehören nicht zu Produktgruppe 54. Sie gelten als „Mittel des täglichen Lebensbedarfs“, also als etwas, das jeder Mensch braucht, ob mit oder ohne Pflegegrad. Die Pflegekasse übernimmt diese Kosten nicht. Das finde ich nachvollziehbar, auch wenn es im ersten Moment ärgerlich klingt: Die 42 Euro sollen Pflegematerial finanzieren, nicht den normalen Drogerie-Einkauf ersetzen.
Trotzdem wirst du bei vielen Anbietern „Pflegebox mit Creme“ in der Werbung finden. Wie das zusammenpasst? Manche Anbieter legen Creme als kostenloses Extra in die Box, quasi als Willkommensgeschenk oder Kundenbindung. Der Anbieter zahlt das aus eigener Tasche und hofft, dass du dafür bei ihm bleibst.
Und da liegt auch schon das Problem mit dieser Werbung: Sie erzeugt den Eindruck, als gehöre Creme zum normalen Pflegebox-Inhalt. Das ist aber nicht so. Kann man mitnehmen, klar. Aber die Qualität der eigentlichen Pflegeprodukte (Handschuhe, Desinfektionsmittel, Bettschutzeinlagen) ist am Ende wichtiger als eine Gratistube Handcreme.
Bekomme ich Duschgel oder Waschlotion in der Pflegebox?
Nein, in der Pflegebox ist auch kein Duschgel und keine Waschlotion – zumindest nicht auf Kassenkosten. Duschgel und Waschlotion fallen nämlich in die gleiche Kategorie wie Creme: Körperpflege, kein Pflegehilfsmittel.
In Foren liest man dazu häufig genau dieses Argument: „Meine Mutter ist inkontinent, wir verbrauchen dreimal so viel Waschlotion wie früher, warum ist das kein Pflegehilfsmittel?“ Verständlich. Aber der Gesetzgeber sieht das anders. Waschlotion bleibt ein Produkt des täglichen Bedarfs, egal wie viel man davon verbraucht. Das ist halt so.
Was manche Anbieter machen: Duschgel oder Waschlotion als Bonus dazupacken, genau wie bei der Creme. Andere bieten diese Produkte in ihrem Online-Shop als kostenpflichtiges Extra an. Dann zahlst du das zwar aus eigener Tasche, aber es kommt bequem mit der monatlichen Lieferung. Für manche eine praktische Lösung, weil man sich den Extra-Einkauf spart.
Die Faustregel, die ich mir gemerkt habe: Alles, was mit Körperpflege zu tun hat (Creme, Duschgel, Seife, Waschlotion) ist kein Pflegehilfsmittel. Die 42 Euro im Monat sind reserviert für Schutz- und Hygieneprodukte, die direkt mit der Pflegetätigkeit zu tun haben.
Welche Pflegebox-Anbieter sind empfehlenswert?
Wenn du „Pflegebox Testsieger“ googelst, findest du ein halbes Dutzend Vergleichsseiten.
Die Kernleistung ist bei allen Pflegebox-Anbietern gleich:
– 42 Euro im Monat
– Die Pflegebox ist kostenlos
– Die Kasse zahlt direkt
Und ja, die einzelnen Anbieter unterscheiden sich meistens nur im Detail. Schauen wir also auf die Details.
Denn diese Details machen im Pflegealltag einen spürbaren Unterschied. Ich lese immer wieder, dass bei manchen Anbietern die Handschuhe dünn sind und nach zwei Handgriffen reißen. Oder dass das Desinfektionsmittel so scharf riecht, dass man es kaum benutzen mag. Das sind Markenprodukte wie Sterillium oder Peha-soft gegen Eigenmarken. Wer täglich pflegt, merkt das sofort. Also lohnt es sich, bei der Anbieterauswahl mal auf die Produktlisten zu schauen, nicht nur auf die Website.
Dann die Flexibilität. Die Pflegesituation verändert sich, manchmal von Monat zu Monat. Mal brauchst du mehr Bettschutzeinlagen, mal mehr Handschuhe. Gute Anbieter lassen dich die Zusammenstellung der Pflegebox unkompliziert anpassen, online, telefonisch oder per E-Mail. Die meisten übernehmen auch den kompletten Antrag bei der Pflegekasse, manche helfen sogar beim Erstantrag auf den Pflegegrad.
Unter den grösseren Anbietern höre ich oft gutes Feedback zu Pflegehase (individüll zusammenstellbar, einfacher Bestellprozess), zu Satiata Med (deutsche Markenprodukte, CO2-neutraler Versand) und zu Senobox.
Mein Tipp: Schau dir zwei oder drei Anbieter an und probiere den Service aus. Du bist nicht gebunden und kannst deinen Pflegebox-Anbieter jederzeit wechseln.
Worauf solltest du bei der Zusammenstellung achten?
Die meisten Anbieter bieten vorkonfigurierte Pflegeboxen an, „Standard-Box“, „Komfort-Box“, so etwas in der Art. Das ist bequem für den Anfang, aber nicht immer passend. Besser ist es, die Pflegebox auf eure konkrete Situation abzustimmen.
Ein paar Dinge, die ich beim Stöbern durch verschiedene Foren gelernt habe: Bei Handschuhen unterschätzen viele, wie wichtig die richtige Grösse ist. Zu groß, und sie rutschen beim Waschen. Zu klein, und sie reißen. Und wer über längere Zeit täglich mit Latexhandschuhen arbeitet, kann eine Allergie entwickeln. Das passiert häufiger, als man denkt. Nitrilhandschuhe sind da die sicherere Wahl, also unbedingt bei der Bestellung deiner Pflegebox Grösse und Material angeben.
Beim Desinfektionsmittel: Händedesinfektionsmittel brauchst du fast immer. Flächendesinfektionsmittel nur, wenn regelmässig Oberflächen gereinigt werden müssen, bei Inkontinenz zum Beispiel. Desinfektionstücher sind praktisch für unterwegs.
Und dann die Bettschutzeinlagen. Grösse und Saugstärke variieren ziemlich stark zwischen den Herstellern. Für nachts brauchst du grössere und saugstärkere Einlagen als tagsübers auf dem Sofa. Logisch, oder? Trotzdem höre ich oft, dass Leute erst nach ein paar Monaten merken, dass sie die falsche Grösse bestellt haben.
Kannst du deine Pflegebox wechseln oder ändern?
Ja, beides. Und zwar unkomplizierter, als die meisten denken.
Den Pflegebox-Inhalt kannst du bei den meisten Anbietern monatlich anpassen. Pflegebedarf ändert sich? Dann änderst du einfach deine Pflegebox, kein neuer Antrag nötig. Auch den Anbieter selbst kannst du wechseln, meistens mit monatlicher Kündigung. Der neue übernimmt dann die Abrechnung mit der Pflegekasse, viele kümmern sich sogar um die Kündigung beim alten.
Und wenn die pflegebedürftige Person vorübergehend im Krankenhaus oder in der Kurzzeitpflege ist? Dann kannst du die Lieferung deiner Pflegebox pausieren. Die 42 Euro verfallen allerdings in dem Monat. Ansparen geht nicht.
Weil ich das in Foren wirklich ständig lese, nochmal ganz klar: Nein, du kannst dir die 42 Euro nicht bar außahlen lassen. Das ist eine der häufigsten Fragen, und die Antwort ist leider eindeutig. Die Pauschale ist zweckgebunden für Pflegehilfsmittel zum Verbrauch. Entweder du nutzt sie für die Pflegebox, oder sie verfällt.
Was ist der einfachste Weg zur Pflegebox?
Wenn du gerade erst anfängst, dich damit zu beschäftigen: Der schnellste Weg ist über einen der Pflegebox-Anbieter. Du füllst ein kurzes Formular aus, der Anbieter stellt den Antrag bei der Pflegekasse, und nach der Genehmigung kommt die Box monatlich zu dir nach Hause. Das Ganze dauert in der Regel ein paar Tage.
Was du dafür brauchst: einen Pflegegrad (1 bis 5), die Pflege muss zu Hause stattfinden, und die Unterschrift der pflegebedürfigen Person oder des Bevollmächtigten. Den ganzen Prozess habe ich in meinem Beitrag zu Pflegehilfsmitteln für die Pflege zu Hause beschrieben.
Was viele gar nicht auf dem Schirm haben: Auch manche Apotheken bieten inzwischen eine Pflegebox an. Gleiche Leistung, gleiche Abrechnung über die Pflegekasse, und du hast einen Ansprechpartner vor Ort, den du auch mal direkt fragen kannst. Es lohnt sich, in der eigenen Apotheke nachzufragen.
Hier noch einmal meine Empfehlungen:
– Pflegehase – individüll zusammenstellbar, einfacher Bestellprozess
– Satiata Med – deutsche Markenprodukte, CO2-neutraler Versand
– Senobox
Und wenn du sowieso gerade dabei bist, den Pflegealltag zu organisieren: Schau dir auch den Entlastungsbetrag an, das sind nochmal 131 Euro im Monat für Haushaltshilfe oder Betreuung. Und ein barrierefreies Bad macht vieles deutlich leichter. Dafür gibt es separate Förderungen, bis zu 4.180 Euro von der Pflegekasse.
Die Pflegebox ist eine kleine Sache. 42 Euro im Monat, ein Paket vor der Tür. Aber wer jemanden pflegt, weiß: Jede Sache, um die man sich nicht mehr kümmern muss, ist eine Erleichterung. Und davon kann man im Pflegealltag nicht genug haben.
Genieß dein Leben. Du hast nur eins.
Marlis*


