1.200 Euro Gasrechnung. Allein in einem Haus aus den Siebzigern, Mitte 60, den ganzen Tag zuhause.
Die Spartipps aus dem Internet:
„Heizung runterdrehen, wenn man aus dem Haus geht.“ – Ja, nur: Sie geht kaum noch raus.
„Temperatur absenken, wenn man auf Arbeit ist.“ – Sie ist den ganzen Tag da.
Die meisten Tipps zum Heizkosten sparen im Netz sind für Berufstätige geschrieben: acht Stunden außer Haus, abends Heizung hoch, fertig. Wenn du den ganzen Tag zuhause bist, brauchst du andere Strategien. Und wenn dein Körper mit den Jahren schneller friert – dann erst recht.
Warum funktionieren die üblichen Heiztipps nicht, wenn du den ganzen Tag zuhause bist?
Der häufigste Heiztipp in Deutschland lautet: „Senk die Temperatur ab, wenn niemand da ist.“ Bei jemandem, der acht Stunden arbeiten geht, spart das laut Umweltbundesamt bis zu 20 Prozent Heizkosten. Bei dir spart es nichts. Du bist da.
Zweiter Dauerbrenner: „20 Grad reichen völlig.“ Das stimmt – für einen 35-Jährigen, der sich viel bewegt und gut durchblutet ist. Dein Körper funktioniert da anders. Ab 60 verlangsamt sich der Stoffwechsel, die Muskelmasse nimmt ab, die Durchblutung wird schlechter. Wer Blutdrucksenker nimmt – und das tun viele – friert noch schneller, weil diese Medikamente die Durchblutung in Händen und Füßen zusätzlich verringern.
Das ist kein Luxusproblem. Das ist Physiologie. Deswegen sind generische Spartipps für dich nicht nur nutzlos – sie können sogar schaden. Wer zu wenig heizt, riskiert Unterkühlung, Gelenkschmerzen und ein geschwächtes Immunsystem. Gerade im Winter, gerade allein.
Welche Raumtemperatur brauchst du wirklich?
Hier wird es konkret. Die medizinische Empfehlung für Menschen ab 60 weicht deutlich von dem ab, was in den meisten Ratgebern steht:
Wohnzimmer: 21 bis 23 Grad. Nicht 20, wie überall geschrieben wird. Dein Körper produziert weniger Wärme, weil die Muskelmasse abnimmt – ein normaler Prozess, den ich in meinem Beitrag zu Muskelschwund im Alter beschrieben habe. Weniger Muskeln bedeutet: weniger körpereigene Heizung.
Schlafzimmer: Mindestens 20 Grad. Das hat mich überrascht, als ich eine Studie des Arthur-Marcus-Instituts gelesen habe: Ältere Menschen schlafen bei 20 bis 25 Grad am besten. Also viel wärmer als die 16 bis 18 Grad, die überall empfohlen werden. Diese Standard-Empfehlung gilt für jüngere Körper – bei dir kann sie zu erhöhtem Blutdruck und schlechterem Schlaf führen.
Badezimmer: 24 Grad. Gerade morgens, wenn du aus der Dusche kommst und dein Körper schnell auskühlt, macht das einen riesigen Unterschied.
Grundregel: Unter 20 Grad wird es kritisch. Das Tückische daran: Viele Menschen merken gar nicht, wenn sie auskühlen, weil das Kälteempfinden mit den Jahren nachlasst. Der Körper warnt dann nicht mehr rechtzeitig.
Heißt das jetzt, du sollst die Heizung auf 25 drehen und dir keine Gedanken machen? Nein. Aber es heißt: Spar nicht an der Temperatur. Spar an allem anderen.
Wie senkst du deine Heizkosten – ohne zu frieren?
So, jetzt wird’s konkret. Hier die Maßnahmen, die wirklich etwas bringen – sortiert nach Wirkung:
1. Gas- und Stromanbieter wechseln – der größte einzelne Hebel. Viele Menschen zahlen immer noch den Grundversorgungstarif: rund 13,6 Cent pro Kilowattstunde Gas. Neue Tarife liegen bei 8 bis 9 Cent. Bei einem Haus mit 20.000 kWh Jahresverbrauch sind das 900 bis 1.200 Euro weniger im Jahr. Wie der Wechsel funktioniert – auch wenn du das noch nie gemacht hast – erkläre ich dir weiter unten. Und wenn du schon dabei bist: Prüf gleich auch deinen Stromanbieter bei stromvergleich.de* – da steckt oft noch mehr Sparpotenzial drin.
2. Fenster und Türen abdichten. In vielen Häusern, die in den 70er oder 80er Jahren gebaut wurden, zieht es an den Fenstern. Selbstklebende Dichtungsbänder kosten unter 20 Euro im Baumarkt und bringen bis zu 20 Prozent weniger Wärmeverlust. Du kannst das an einem Nachmittag selbst machen. Einfacher Test: Halte ein brennendes Streichholz an den Fensterrahmen. Flackert die Flamme, ist die Dichtung hinüber.
3. Rollläden und Vorhänge nachts schließen. Geschlossene Rollläden verringern den Wärmeverlust durch Fenster um 20 bis 25 Prozent – das hat das Umweltbundesamt gemessen. Dicke Vorhänge helfen ähnlich gut. Das kostet nichts und bringt viel.
4. Programmierbare Thermostate. Die lohnen sich auch, wenn du den ganzen Tag zuhause bist – sogar besonders. Du heizt ja nicht jedes Zimmer gleich, oder? Das Schlafzimmer braucht nachts 20 Grad, tagsüber weniger. Das Wohnzimmer andersherum. Ein programmierbarer Thermostat regelt das automatisch und spart 5 bis 15 Prozent. Gute Geräte kosten 30 bis 50 Euro pro Heizkörper, der Einbau dauert fünf Minuten und braucht keinen Handwerker. Stiftung Warentest empfiehlt unter anderem den Homematic IP Evo und den AVM Fritz!DECT 302.
5. Heizkörper entlüften und freihalten. Wenn dein Heizkörper oben warm und unten kalt ist, steckt Luft drin. Mit einem Entlüftungsschlüssel (2 Euro, Baumarkt) ist das in fünf Minuten erledigt – und bringt bis zu 15 Prozent mehr Leistung. Genauso wichtig: Keine Möbel oder Vorhänge vor den Heizkörper stellen. Die Wärme muss in den Raum, nicht in die Sofalehne.
6. Stoßlüften statt Kippen. Drei- bis viermal am Tag alle Fenster für fünf Minuten weit öffnen. Dann wieder zu. So wird die Luft getauscht, ohne dass die Wände auskühlen. Ein gekipptes Fenster hingegen verliert permanent Wärme – in einer Heizperiode macht das 200 Euro und mehr aus.
7. Heizungsrohre im Keller dämmen. Sind deine Heizungsrohre im Keller nicht isoliert? Dann geht Wärme verloren, bevor sie bei dir oben ankommt. Rohrisolierung aus dem Baumarkt kostet 10 bis 20 Euro und lässt sich selbst anbringen. Das spart 5 bis 10 Prozent.
8. Hydraulischer Abgleich. Wenn manche Heizkörper bei dir glühen und andere lauwarm bleiben, ist die Heizung nicht richtig eingestellt. Ein Handwerker macht dann einen hydraulischen Abgleich – das kostet bei einem Einfamilienhaus rund 925 Euro, bringt aber 5 bis 15 Prozent weniger Verbrauch. Die BAFA fördert das mit 15 bis 20 Prozent. Du kannst den Zuschuss über www.bafa.de beantragen.
Wie wechselst du den Gasanbieter – auch wenn du das noch nie gemacht hast?
In Pflege-Foren und Energie-Ratgebern lese ich immer wieder zwei Sorgen: „Was, wenn beim Wechsel etwas schiefgeht und ich ohne Gas dastehe?“ und „Ich kenne mich mit diesen Vergleichsportalen nicht aus.“
Zur ersten Sorge: Du kannst nicht ohne Gas dastehen. Per Gesetz springt dein örtlicher Grundversorger sofort ein, falls beim Wechsel irgendetwas hakt. Es gibt keine Versorgungslücke. Nie.
Der Wechsel selbst funktioniert so:
- Such dir deine letzte Gasabrechnung raus. Da steht dein Jahresverbrauch in Kilowattstunden (kWh)
- Geh auf ein Vergleichsportal wie gasvergleich.de*. Gib deine Postleitzahl und deinen Verbrauch ein
- Filtere nach: Preisgarantie, keine Vorauskasse, kündbar nach 12 Monaten
- Wähle den günstigsten Tarif und klick auf „Wechseln“
- Der neue Anbieter kündigt deinen alten Vertrag für dich. Du musst nichts weiter tun
Wenn du dir unsicher bist: Ruf bei der Verbraucherzentrale an. Die helfen kostenlos und erklären dir jeden Schritt.
Rechne nach: Bei einem Haus mit 20.000 kWh Verbrauch und einem Preisunterschied von 4 Cent pro kWh sparst du 800 Euro im Jahr. Das ist kein Kleingeld.
Welche Förderung gibt es 2026 für Heizung und Dämmung?
Wer größer investieren will – neue Fenster, bessere Dämmung, moderne Heizung – sollte sich die aktuellen Förderprogramme ansehen:
KfW 458 (Heizungstausch): Bis zu 70 Prozent Zuschuss für eine neue Heizung, zum Beispiel eine Wärmepumpe. Die 70 Prozent setzen sich zusammen aus 30 Prozent Grundförderung, bis zu 20 Prozent Klimageschwindigkeitsbonus und 30 Prozent Einkommensbonus für Haushalte mit weniger als 40.000 Euro Bruttöinkommen. Weil viele Menschen im Ruhestand unter dieser Grenze liegen, ist der volle Zuschuss für dich möglicherweise drin.
BAFA BEG Einzelmaßnahmen: 15 bis 20 Prozent Zuschuss für Dämmung, neue Fenster und Heizungsoptimierung wie den hydraulischen Abgleich. Antrag über www.bafa.de.
Steuerlich absetzbar: Alternativ kannst du Sanierungskosten über drei Jahre von der Steuer absetzen – 20 Prozent, maximal 40.000 Euro. Das geht auch ohne Förderantrag, aber nicht gleichzeitig mit KfW oder BAFA.
Ob sich eine große Investition für dich rechnet, hängt vom Einzelfall ab. Was ich empfehle: Lass dich kostenlos beraten, zum Beispiel bei der Verbraucherzentrale Energieberatung oder beim KfW-Infocenter (0800 539 9002, kostenlos). Im Beitrag Umbauen mit Förderung 2026 habe ich die einzelnen Förderwege ausführlicher beschrieben.
Welche Spartipps sind Quatsch – und woran erkennst du Abzocke?
Leider gibt es gerade beim Thema Heizkosten viele Produkte, die viel versprechen und nichts halten. Ein paar Beispiele, vor denen die Verbraucherzentrale NRW und Mimikama ausdrücklich warnen:
Steckdosen-Mini-Heizungen wie „UltraHeat Pro“ oder ähnliche Produkte. Sie werden auf Facebook und Instagram beworben, kosten 80 bis 90 Euro – und auf Alibaba gibt es das identische Gerät für 7 Euro. Sie heizen maximal 5 Quadratmeter und fressen Strom.
Stromsparboxen („Electricity Saving Box“ und Varianten). Kompletter Schwindel. heise online hat eine aufgeschraubt: eine LED drin, sonst nichts. Die Bundesnetzagentur warnt ebenfalls davor.
Magnetische Heizungskugeln. Die werden in die Heizung gelegt und sollen den Energieverbrauch senken. Kein einziger wissenschaftlicher Beleg dafür. Das Fachmagazin IKZ Haustechnik nennt das schlicht Scharlatanerie.
Mein Rat: Wenn etwas zu gut klingt, um wahr zu sein, ist es das meistens auch. Echte Einsparungen kommen von den acht Maßnahmen weiter oben – nicht von Wundergeräten für 90 Euro.
Noch ein Gedanke, der mir wichtig ist: Wer sein ganzes Leben gearbeitet hat und jetzt von der Rente lebt, hat es verdient, in einem warmen Zuhause zu sitzen. Ohne Schuldgefühle, ohne Angst vor der nächsten Abrechnung. Heizkosten sparen ist gut und richtig. Frieren ist es nicht.
Bewegung hilft übrigens auch – nicht als Heizungsersatz, aber weil ein aktiver Körper sich besser warm hält. Muskeln sind deine beste Heizung.
Genieß dein Leben. Du hast nur eins.
Marlis*


