Altersgerecht umbauen: Welche Förderung gibt es 2026?

Ich will nicht warten, bis ich muss. Diesen Satz höre ich so oft – und jedes Mal denke ich: Genau. So geht das.

In meinem Studium der Integrierten Gerontologie war „Ageing in Place“ ein Schwerpunkt: Wie können wir so lange wie möglich selbstbestimmt zu Hause leben? Und die Antwort ist jedes Mal dieselbe: Wer sein Zuhause früh genug anpasst, bleibt länger unabhängig. Du triffst die Entscheidungen in Ruhe, statt irgendwann unter Druck reagieren zu müssen.

2026 gibt es dafür wieder Geld vom Staat. Die KfW-Förderung kommt zurück. Was das bedeutet und wie du rankommst, erkläre ich dir hier.


Welche Förderung gibt es 2026 für altersgerechtes Umbauen?

Drei Förderwege, die du kennen solltest. Und einen Steuertrick obendrauf.

1. KfW 455-B – Der Zuschuss (ab Frühjahr 2026)

Das wichtigste Programm für alle, die umbauen wollen: Die KfW gibt dir Geld, das du nicht zurückzahlen musst. Nach über einem Jahr Pause startet das Programm 455-B im Frühjahr 2026 neu.

Die Konditionen:
– Einzelmaßnahmen (z.B. ebenerdige Dusche, Haltegriffe, breitere Türen): 10 Prozent Zuschuss auf die förderfähigen Kosten, maximal 2.500 Euro
– Standard „Altersgerechtes Haus“ (umfassender Umbau): 12,5 Prozent Zuschuss, maximal 6.250 Euro
– Förderfähige Kosten: bis 50.000 Euro pro Wohneinheit

Wer kann beantragen? Private Eigentümer, Mieter (mit Vermietereinverständnis) und Vermieter.

Die Einschränkung: Das Budget beträgt nur 50 Millionen Euro für ganz Deutschland. Das klingt viel, ist es aber nicht. Zum Vergleich: 2024 standen 150 Millionen Euro bereit – und die waren zur Jahresmitte aufgebraucht. Heißt: Wer den Zuschuss will, muss schnell sein.

2. KfW 159 – Der Förderkredit (schon jetzt verfügbar)

Wenn du nicht auf den Zuschuss warten willst oder grössere Maßnahmen planst: Die KfW vergibt Kredite bis 50.000 Euro für altersgerechtes Umbauen. Günstige Zinsen, flexible Laufzeiten. Kannst du sofort beantragen.

Der Haken: Zuschuss (455-B) und Kredit (159) lassen sich nicht kombinieren. Du musst dich entscheiden. Bei kleineren Maßnahmen (unter 25.000 Euro) lohnt sich meistens der Zuschuss. Bei grösseren Umbauten kann der Kredit sinnvoller sein.

3. Pflegekasse – bis 4.180 Euro

Hast du oder jemand in deinem Haushalt einen Pflegegrad? Auch Pflegegrad 1 reicht. Dann zahlt die Pflegekasse bis zu 4.180 Euro für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen – und das lässt sich mit der KfW-Förderung kombinieren. Bei mehreren Personen mit Pflegegrad sogar bis zu vier Mal 4.180 Euro, also maximal 16.720 Euro.

Typische Maßnahmen: ebenerdige Dusche, Haltegriffe, Türschwellen entfernen, Treppenhandläufe, rutschfeste Böden.

Bonus: Steuervorteil

Handwerkerleistungen für den barrierefreien Umbau kannst du steuerlich absetzen – 20 Prozent der Arbeitskosten (nicht Materialkosten), maximal 1.200 Euro pro Jahr. Das funktioniert auch dann, wenn du keinen Pflegegrad hast und keine KfW-Förderung bekommst. Und: Es lässt sich nicht mit KfW-Förderung kombinieren, aber für den Teil der Kosten, der nicht gefördert wird, greift es.


Was lässt sich alles fördern?

Die KfW fördert nicht nur das Bad. Sieben Bereiche fallen unter das Programm:

1. Wege zum Gebäudeeingang: Stellplätze, Rampen, Aufzüge, Beleuchtung am Eingang, Überwindung von Stufen

2. Eingangsbereich und Wohnungßugang: Türen verbreitern, Schwellen abbauen, Gegensprechanlagen, Briefkasten versetzen

3. Überwindung von Treppen und Stufen: Treppenlifte, Plattformlifte, Rampensysteme – und ja, auch Aufzüge werden gefördert

4. Raumanpassung: Türen verbreitern, Schwellen entfernen, Bewegungsflächen vergrössern, Bodenbeläge austauschen, Lichtschalter und Steckdosen auf erreichbare Höhe versetzen

5. Badezimmer: Bodengleiche Dusche, Haltegriffe, erhöhte Toilette, unterfahrbarer Waschtisch, rutschfeste Böden, breitere Badtür

6. Orientierung, Kommunikation, Unterstützung im Alltag: Gegensprechanlage, Türspion, Notrufsysteme, Smart-Home-Elemente (Bewegungsmelder, automatische Beleuchtung)

7. Gemeinschaftsräume und Mehrgenerationenwohnen: Anpassungen in Mehrfamilienhäusern

Gerade Punkt 6 überrascht viele: Auch smarte Technik wie Bewegungsmelder, automatische Beleuchtung oder ein Türspion mit Kamera werden gefördert. Das sind kleine Dinge, die im Alltag einen großen Unterschied machen.


Was kostet altersgerechtes Umbauen – realistisch?

Hier konkrete Zahlen, damit du rechnen kannst:

Maßnahme Kosten (ca.)
Badewanne raus, Dusche rein 2.500-5.000 EUR
Bad komplett barrierefrei 8.000-24.000 EUR
Treppenlift (gerade Treppe) 3.800-8.000 EUR
Treppenlift (kurvige Treppe) 9.000-15.000 EUR
Türen verbreitern (pro Tür) 500-1.500 EUR
Schwellen entfernen 200-500 EUR pro Stück
Haltegriffe installieren 200-800 EUR pro Stück
Rampe am Eingang 1.000-5.000 EUR
Bewegungsmelder-Beleuchtung 100-300 EUR pro Bereich

Gerade bei Treppenliften lohnt sich eine individülle Beratung, weil die Kosten stark von deiner Treppe abhängen. Bei Hiro Lift bekommst du eine kostenlose Beratung und ein Vor-Ort-Aufmass – das ist ein guter erster Schritt.

Bei einem typischen Umbau-Paket (Bad + Türschwellen + Haltegriffe + Beleuchtung) landest du bei 15.000 bis 30.000 Euro. Davon bekommst du über KfW und Pflegekasse bis zu 10.000 Euro zurück. Die Investition schrumpft also erheblich.


Welche Fehler sollte ich vermeiden?

Was mir in Gesprächen und in der Fachliteratur immer wieder begegnet:

Fehler 1: Zu lange warten. Das ist der grösste Fehler. Nicht weil morgen etwas passiert – sondern weil du jetzt noch die Energie hast, dich mit Angeboten, Handwerkern und Förderanträgen zu beschäftigen. Nach einem Sturz oder einer Krankheit fehlt dafür die Ruhe. Und Fördermittel brauchen Vorlauf.

Fehler 2: Förderantrag nach Auftragserteilung. Ich kann es nicht oft genug sagen: Erst den KfW-Antrag stellen, dann den Handwerker beauftragen. Wer vorher unterschreibt, verliert den Anspruch. Planungsleistungen sind davon ausgenommen – die darfst du vorher beauftragen.

Fehler 3: Nur ein Angebot einholen. Handwerkerpreise variieren um 30 bis 50 Prozent. Drei Angebote einholen ist kein Misstrauen – es ist klug.

Fehler 4: Nur an heute denken. Was du jetzt umbaust, soll 15 bis 20 Jahre halten. Denk in Szenarien: Was wenn du einen Rollator brauchst? Was wenn jemand im Rollstuhl sitzt? Lieber jetzt die Türen etwas breiter machen als in fünf Jahren nochmal aufreißen.

Fehler 5: Die Landesförderung vergessen. Neben der KfW fördern viele Bundesländer mit eigenen Programmen: Bayern bis 10.000 Euro, Brandenburg bis 22.000 Euro, Hamburg bis 25.000 Euro. Diese lassen sich meistens mit der KfW kombinieren. Nachfragen beim Landesförderinstitut lohnt sich fast immer.


Wie gehe ich Schritt für Schritt vor?

Hier der Fahrplan, den ich den meisten Menschen empfehle:

Schritt 1: Bestandsaufnahme (jetzt)
Geh einmal durch dein Haus oder deine Wohnung. Wo sind Stufen und Schwellen? Wie breit sind die Türen? Wie ist das Bad? Wo fehlen Haltegriffe? Wo ist es dunkel? Mach Fotos und Notizen.

Schritt 2: Prioritäten setzen
Nicht alles muss auf einmal passieren. Das Bad ist meistens die wichtigste Baustelle. Danach: Eingangsbereich, Treppen, Beleuchtung. Du kannst in Etappen umbauen – viele Förderprogramme erlauben das.

Schritt 3: Angebote einholen (ab sofort)
Such dir zwei bis drei Fachbetriebe und lass dir Angebote machen. Achte auf Erfahrung mit barrierefreiem Umbau – nicht jeder Handwerker kennt die DIN-Normen. Tipp: Die Handwerkskammer hilft bei der Suche.

Schritt 4: Förderung beantragen (Frühjahr 2026)
Sobald das KfW-Programm 455-B startet: Antrag rein, mit allen Unterlagen. Parallel bei der Pflegekasse anfragen, falls ein Pflegegrad vorliegt. Und beim Landesförderinstitut prüfen, ob es zusätzliche Mittel gibt.

Schritt 5: Umbauen
Erst nach Förderzusage den Handwerker beauftragen. Und dann: Machen. Nicht noch drei Jahre drüber nachdenken.

Wer sich tiefer in das Thema einlesen will: In meinem Beitrag über Bücher zum Haus im Alter habe ich Ratgeber zusammengestellt, die bei der Entscheidung helfen. Und wer wissen will, was das Haus überhaupt wert ist, findet Antworten in meinem Beitrag Was ist mein Haus wirklich wert?.


Altersgerecht umbauen klingt für manche nach Zugeständnis. Für mich ist es eine der besten Investitionen, die du in dein Zuhause machen kannst. Und 2026 gibt es dafür so viel Unterstützung wie selten.

Nutze sie. Am besten jetzt.

Genieß dein Leben. Du hast nur eins.

Marlis

Wer schreibt hier?

Ich bin Marlis Schorcht und ich schreibe hier über das, was viele lieber verdrängen: dass wir älter werden. Nicht irgendwann, sondern jetzt, jeden Tag.

Warum ich das tue:
Weil Altern keine Krankheit ist, die man bekämpfen muss, sondern eine Lebensphase, die man gestalten kann. Bewusst, selbstbestimmt, ohne Angst.

Auf Leben-und-Altern.de schreibe ich über das Leben nach der Arbeit, über Sinn, Gesundheit, Beziehungen, Einsamkeit und Geld. Über die 20 Jahre, über die kaum jemand spricht und darüber, wie man sie mit mehr Lebensqualität, Klarheit und Gelassenheit erleben kann.

Schreib mir gern:
Wenn du Gedanken, Fragen oder Herausforderungen zum Thema hast. Oder wenn du etwas erlebt hast, das anderen Mut machen könnte, etwas, das dich verändert oder weitergebracht hat.

Ich freue mich auf den Austausch: Schreib mir eine e-Mail.

Marlis Schorcht sitzt am Schreibtisch und lächelt in die Kamera
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