23 Monate länger leben? Wie lesen das Gehirn jung hält.

Lesen hält jung - naja, das hast du deinen Kindern vielleicht früher gesagt, weil man das halt so sagt. Aber weißt du was? Da ist sogar was dran. Lesen hält dein Gehirn jung.

Also, falls du dich fragst, ob das Buch auf deinem Nachttisch mehr als nur Unterhaltung ist, dann ist die Antwort ziemlich einfach: Ja. Sehr viel mehr.

Eine bahnbrechende Studie der Yale School of Public Health zeigt, dass Menschen, die regelmäßig Bücher lesen, 23 Monate länger leben als Nicht-Leser – unabhängig von Bildung, Einkommen oder Gesundheitszustand. Das ist keine Korrelation mit wohlhabenden, gebildeten Menschen. Das ist ein Effekt des Lesens selbst.

Aber es geht nicht nur um Lebensjahre. Es geht darum, wie dein Gehirn altert.

Forschungen aus Taiwan, Harvard und Deutschland zeigen: Lesen ist eine der wirksamsten Methoden, um kognitiven Abbau zu verlangsamen. Es formt neue neuronale Verbindungen, baut Stress ab und hält dein Gehirn bis ins hohe Alter leistungsfähig.

Lass uns also mal einen genaueren Blick drauf werfen.

Kurz zu mir: Mit meinem Master-Abschluss in Integrierter Gerontologie beschäftige ich mich seit Jahren mit der Frage, wie Menschen gut altern. Und die Forschung zu Lesen und Gehirngesundheit ist dabei eine der klarsten: Es funktioniert. Wer regelmäßig liest, bleibt mental beweglicher, hat weniger Ängste vor Demenz und findet oft auch leichter Zugang zu sozialer Teilhabe. Deshalb schauen wir uns jetzt an, was die Wissenschaft dazu sagt.

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Leben Buchleser wirklich länger?

Okay, schau dir das an: Forscher der Yale School of Public Health haben über 12 Jahre lang 3.635 Menschen ab 50 Jahren begleitet und geschaut, wie Lesegewohnheiten mit der Lebenserwartung zusammenhängen. Die Ergebnisse wurden 2016 in der Fachzeitschrift Social Science & Medicine veröffentlicht, und sie sind ziemlich eindeutig.

Menschen, die regelmäßig Bücher lesen, haben ein 20% geringeres Sterberisiko im Vergleich zu Nicht-Lesern – auch wenn man Faktoren wie Alter, Geschlecht, Bildung, Einkommen, Gesundheitszustand und Depression rausrechnet.

Also: Wer mehr als 3,5 Stunden pro Woche Bücher liest, lebt im Durchschnitt 23 Monate länger. Das sind fast zwei Jahre.

Aber Moment – es ist nicht egal, was du liest. Die Studie hat Buchleser:innen mit Menschen verglichen, die Zeitungen und Zeitschriften lesen. Und hier wird's tatsächlich interessant: Nur das Lesen von Büchern zeigte diesen massiven Überlebensvorteil. Zeitungen und Magazine hatten einen deutlich geringeren Effekt – erst ab mehr als 7 Stunden pro Woche zeigte sich überhaupt ein messbarer Vorteil (11% geringeres Sterberisiko). Also mehr als eine Stunde pro Tag...brauchst du so lange, um die Tageszeitung zu lesen? Oder wird es vielleicht doch mal wieder Zeit für ein Buch?

Warum der Unterschied zwischen Büchern und Zeitungen besteht? Bücher verlangen nunmal mehr kognitive Arbeit. Sie zwingen dich, Charaktere zu verstehen, Zusammenhänge zu erkennen, Perspektiven zu wechseln. Sie sind immersiver, komplexer, tiefgehender. Und genau das ist eigentlich der Punkt.

Kann Lesen wirklich vor Demenz und kognitivem Abbau schützen?

Ja – und zwar langfristig. Eine taiwanesische Studie hat 1.962 ältere Menschen über 14 Jahre begleitet und geschaut, wie häufiges Lesen die kognitive Leistung beeinflusst. Die Ergebnisse sind ziemlich klar: Häufiges Lesen war mit einem signifikant geringeren Risiko für kognitiven Abbau verbunden – und zwar unabhängig vom Bildungsniveau. Also: Ob du einen Hochschulabschluss hast oder nicht, spielt eigentlich keine Rolle. Lesen schützt.

Die Forscher haben den Short Portable Mental Status Questionnaire genutzt, um kognitive Funktionen zu messen. Nach 6, 10 und 14 Jahren zeigte sich: Menschen, die regelmäßig lesen, behalten ihre geistige Klarheit länger. Eine weitere Studie aus dem Jahr 2025 von Frontiers in Aging Neuroscience bestätigt das: Tägliche kognitive Aktivitäten wie Lesen reduzieren das Risiko für Demenz und Alzheimer.

Warum funktioniert das? Weil Lesen dein Gehirn fordert. Es aktiviert verschiedene Hirnareale gleichzeitig – Sprache, Gedächtnis, visuelle Verarbeitung, emotionales Verständnis. Das hält neuronale Netzwerke aktiv und flexibel. Und das Beste daran: Es ist nie zu spät anzufangen. Selbst wenn du erst mit 60 oder 70 anfängst, regelmäßig zu lesen, profitiert dein Gehirn davon. Das ist durch Studien tatsächlich belegt.

Was passiert im Gehirn, wenn du liest? Neuroplastizität einfach erklärt

Dein Gehirn ist kein starres Organ. Es verändert sich ständig – und zwar durch das, was du tust. Dieser Prozess heißt Neuroplastizität: die Fähigkeit des Gehirns, sich durch Erfahrungen umzuformen, neue Verbindungen zu bilden und bestehende zu stärken. Und Lesen ist eine der effektivsten Methoden, um diese Plastizität zu fördern.

Also, was passiert eigentlich konkret, wenn du ein Buch aufschlägst? 

Erstens: Synaptische Plastizität. Wenn du liest, feuern Neuronen gemeinsam. Das stärkt die Verbindungen zwischen ihnen – ein Prozess namens Langzeitpotenzierung (LTP). Je öfter du bestimmte Denkprozesse aktivierst, desto stärker werden halt diese Verbindungen.

Zweitens: Neurogenese. In bestimmten Hirnregionen – wie dem Hippocampus, der für Gedächtnis zuständig ist – entstehen tatsächlich neue Nervenzellen. Und Lesen fördert diesen Prozess.

Drittens: Kognitive Reserve. Je mehr du dein Gehirn forderst, desto größer wird deine "kognitive Reserve" – ein Puffer, der dich vor altersbedingtem Abbau schützt.

Lass dir ein Beispiel aus der Forschung zeigen: Londoner Taxifahrer haben einen größeren Hippocampus als Busfahrer, weil sie ständig neue Routen planen müssen. Ähnlich funktioniert es beim Lesen: Bücher fordern dein Gehirn, neue Pfade zu bilden. Eine Meta-Analyse von 2023 über Lese-Interventionen zeigt: Lesen verändert sowohl Gehirnaktivierung als auch Gehirnstruktur. Es entstehen neue Verbindungen, und bestehende Netzwerke werden effizienter. Das ist eigentlich keine Magie. Das ist Biologie. Ziemlich interessant, oder?

30 Minuten täglich: Wie viel Lesen ist genug fürs Gehirn?

Die gute Nachricht: Du musst nicht den ganzen Tag über in ein Buch vertieft sein. Die Yale-Studie zeigt, dass bereits 30 Minuten täglich einen messbaren Effekt haben. Hier die konkreten Zahlen: Bis 3,5 Stunden pro Woche (ca. 30 Min./Tag) → 17% geringeres Sterberisiko. Mehr als 3,5 Stunden pro Woche → 23% geringeres Sterberisiko. Das heißt: Eine halbe Stunde am Tag reicht aus, um deinem Gehirn einen massiven Vorteil zu verschaffen.

Aber es gibt tatsächlich einen Unterschied zwischen Lesen und Lesen. Tiefes Lesen – also das Eintauchen in ein Buch über längere Zeit – hat einen stärkeren Effekt als oberflächliches Überfliegen von Artikeln.

Warum?

Weil tiefes Lesen nunmal deine Konzentration, dein Arbeitsgedächtnis und deine Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge zu verstehen, trainiert. 

Eine Studie von Joseph Henrich (Harvard) zeigt: Wer weniger liest, verliert eigentlich die Fähigkeit, sich lange zu konzentrieren. Das gilt besonders für "Skim-Reading" auf dem Smartphone – kurze Häppchen, keine Tiefe.

Also: Mach dein Handy aus. Nimm ein Buch. Lies 30 Minuten. Das ist die Dosis.

Warum wirken Bücher stärker als Zeitungen oder Magazine?

Gute Frage. Die Yale-Forscher haben genau das untersucht – und die Erklärung ist ziemlich faszinierend. Bücher sind immersiv. Wenn du ein Buch liest, versinkst du halt in einer Geschichte. Du baust Beziehungen zu Charakteren auf, verfolgst komplexe Handlungsstränge, versetzt dich in andere Perspektiven. Das erfordert kognitive Leistung.

Zeitungen und Zeitschriften hingegen sind oft fragmentiert. Kurze Artikel, schnelle Informationen, wenig emotionale Tiefe. Das Gehirn wird eigentlich weniger gefordert. Der Effekt ist messbar: Bücher verbessern nicht nur das Gedächtnis, sondern auch Empathie, soziale Kognition und kritisches Denken.

Raymond Mar, Psychologe an der York University in Kanada, erklärt es so: "Lesen ist eine Art Sozialtraining für das Gehirn. Wir üben Beziehungen, Emotionen und Perspektivwechsel – auch wenn wir physisch allein sind." Das ist besonders wichtig im Alter, wo Einsamkeit ein ernsthaftes Gesundheitsrisiko darstellt – vergleichbar mit Rauchen oder Übergewicht. Bücher bieten halt Gesellschaft ohne Druck.

Und noch etwas: Lesen reduziert Stress. Eine Studie zeigt, dass nur 6 Minuten Lesen den Stresspegel um 68% senken können – mehr als Musik hören oder Spazierengehen. Das liegt daran, dass dein Gehirn in einen meditativen Zustand eintritt, ähnlich wie bei Achtsamkeitsübungen. Stress ist einer der größten Beschleuniger des Alterns. Weniger Stress = langsameres Altern.

→ Mehr dazu bei National Geographic.

Romane oder Sachbücher: Welche Bücher sind am besten fürs Gehirn?

Die Forschung dazu läuft noch, aber es gibt tatsächlich erste Hinweise.

Belletristik (Romane, Erzählungen) hat wahrscheinlich den stärksten Effekt auf Empathie, soziale Kognition und emotionale Intelligenz. Weil du dich in Charaktere hineinversetzt, ihre Motivationen verstehst, ihre Gefühle nachvollziehst. Das trainiert dein Gehirn auf eine Art, die Sachbücher halt nicht können.

Sachbücher hingegen fördern Wissen, kritisches Denken und Problemlösung. Sie erweitern deinen Horizont, geben dir neue Perspektiven, fordern dich heraus, Argumente zu prüfen.

Die beste Strategie? Eigentlich beides. Wechsel zwischen Romanen und Sachbüchern. Lies, was dich interessiert. Lies, was dich herausfordert.

Und: Lies auf Papier, nicht nur digital. Es gibt Hinweise, dass physische Bücher das Gedächtnis besser fördern als E-Books. Weil du eine physische Verbindung zum Buch hast – du spürst das Gewicht, siehst den Fortschritt, erinnerst dich an die Seite, auf der etwas stand.

Aber: E-Books sind halt besser als gar nicht lesen. Also kein Dogma hier. Hauptsache, du liest.

Mit 60, 70 oder 80+ noch anfangen zu lesen: Ist es dafür zu spät?

Nein. Es ist nie zu spät. Die taiwanesische Studie zeigt: Selbst wenn du erst im höheren Alter anfängst zu lesen, profitiert dein Gehirn davon. Neuroplastizität funktioniert dein Leben lang. Natürlich ist es einfacher, wenn du schon früh anfängst. Aber selbst Menschen, die jahrzehntelang wenig gelesen haben, können durch regelmäßiges Lesen ihre kognitive Funktion eigentlich verbessern.

Ein wichtiger Punkt: "Use it or lose it." Wenn du im mittleren Alter aufhörst zu lesen, baut sich das Lese-Netzwerk im Gehirn ab. Besonders in der Pubertät und im jungen Erwachsenenalter werden ungenutzte neuronale Verbindungen "beschnitten". Das heißt: Wer nicht liest, verliert die Fähigkeit dazu.

Aber: Dieser Prozess ist tatsächlich umkehrbar. Studien zeigen, dass Menschen, die nach Jahren Pause wieder anfangen zu lesen, neuronale Netzwerke reaktivieren können. Es dauert etwas länger, aber es funktioniert.

Also: Wenn du jahrelang nicht gelesen hast, fang heute an. 30 Minuten täglich. Ein Buch, das dich interessiert. Such dir eins aus aktuellen Neuerscheinungen 2026 aus oder ein interessantes Buch übers Altern. Dein Gehirn wird es dir danken.

Hörbücher und E-Books: Funktionieren die genauso gut wie gedruckte Bücher?

Ehrlich gesagt: Die Datenlage ist noch ziemlich dünn. Die Yale-Studie von 2016 hat keine Daten zu E-Books erhoben, und die meisten Forschungen konzentrieren sich auf gedruckte Bücher. Aber es gibt Hinweise.

Hörbücher aktivieren andere Hirnregionen als das Lesen. Sie fördern auditive Verarbeitung, aber weniger visuelle und motorische Bereiche. Das heißt: Hörbücher sind gut fürs Gehirn, aber wahrscheinlich halt nicht ganz so effektiv wie gedruckte Bücher.

Das Gleiche gilt für E-Books. Sie sind besser als gar nicht lesen, aber es fehlt die physische Interaktion – das Umblättern, das Gewicht, die räumliche Orientierung im Buch. Studien zeigen: Menschen erinnern sich tatsächlich besser an Inhalte aus gedruckten Büchern als aus E-Books.

Aber: Wenn du aufgrund von Sehproblemen, Arthritis oder aus anderen Gründen besser mit E-Readern oder Hörbüchern zurechtkommst – dann nutze sie. Besser ein Hörbuch als gar nichts. Falls du beim Lesen Kopfschmerzen bekommst, habe ich hier Tipps für dich, wie du das Problem lösen kannst. Die Forscher der Yale-Studie sagten selbst: "Wir würden gerne untersuchen, ob Hörbücher und E-Books den gleichen Effekt haben." Die Antwort steht noch aus. Bis dahin: Lies, wie es für dich am besten funktioniert.

Fazit: Lesen ist eine der einfachsten Methoden, dein Gehirn im Alter zu schützen

Die Wissenschaft ist eigentlich ziemlich klar. Lesen verlängert nicht nur dein Leben um durchschnittlich 23 Monate. Es schützt dein Gehirn vor kognitivem Abbau, baut Stress ab, fördert Neuroplastizität und hält neuronale Netzwerke aktiv. 30 Minuten täglich reichen aus. Es ist nie zu spät anzufangen. Und es spielt tatsächlich keine Rolle, ob du akademisch gebildet bist oder nicht – Lesen wirkt bei allen gleich.

Also: Nimm ein Buch. Lies 30 Minuten. Nicht weil du musst. Sondern weil es eines der wirksamsten Dinge ist, die du für dein Gehirn tun kannst.

Falls du noch auf der Suche nach Lesestoff bist:
Hier findest du 50 Bücher übers Altern und 10 Buch-Neuerscheinungen für Frauen 2026, die ich für dich zusammengestellt habe.

Genieß dein Leben. Du hast nur eins.

Viele Grüße,
Marlis

Wer schreibt hier?

Ich bin Marlis Schorcht und ich schreibe hier über das, was viele lieber verdrängen: dass wir älter werden. Nicht irgendwann, sondern jetzt, jeden Tag.

Warum ich das tue:
Weil Altern keine Krankheit ist, die man bekämpfen muss, sondern eine Lebensphase, die man gestalten kann. Bewusst, selbstbestimmt, ohne Angst.

Auf Leben-und-Altern.de schreibe ich über das Leben nach der Arbeit, über Sinn, Gesundheit, Beziehungen, Einsamkeit und Geld. Über die 20 Jahre, über die kaum jemand spricht und darüber, wie man sie mit mehr Lebensqualität, Klarheit und Gelassenheit erleben kann.

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Marlis Schorcht sitzt am Schreibtisch und lächelt in die Kamera
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