Altersruhesitz in Rostock: Was die Ostsee-Stadt wirklich bietet (und was sie kostet)

Du überlegst vielleicht, wo du deinen Ruhestand verbringen willst. Oder du suchst nach Alternativen zu teuren Wohnungen in Hamburg, München oder Frankfurt.

Rostock taucht dann vermutlich nicht als Erstes auf.

Aber.

Was wäre, wenn du für durchschnittlich 9 Euro pro Quadratmeter wohnen könntest – mit dem Ostseestrand 10 Straßenbahnminuten entfernt? Was, wenn deine Stadt ein offizielles Seniorenprogramm hat, mit Begegnungszentren in jedem Stadtteil, kostenlosen Bewegungsangeboten für Menschen ab 60 und einer systematischen Infrastruktur fürs Älterwerden?

Klingt plötzlich interessanter, oder?

Rostock ist eine Hansestadt mit 210.000 Einwohnern. Universitätsstadt, Hafenstadt, Kulturstadt. Mit Warnemünde als Stadtteil hat die Stadt den Strand direkt vor der Tür. Die durchschnittliche Miete liegt bei 9,43 Euro pro Quadratmeter. In manchen Vierteln deutlich günstiger, in anderen teurer. 88 Prozent der Rostocker sagen laut Bürgerumfrage 2022: Wir leben gern hier.

Und: Mecklenburg-Vorpommern hat die zweitälteste Bevölkerung Deutschlands. 28 Prozent sind über 65 Jahre alt, das Durchschnittsalter liegt bei 48 Jahren. Die Stadt hat darauf reagiert. Mit System. Mit Budget. Mit einer Seniorenpolitik, die nicht nur auf dem Papier steht.

Ich schreibe das aus Weimar, Thüringen. Ich kenne die Vorurteile gegenüber ostdeutschen Städten. Viele Menschen aus den alten Bundesländern waren noch nie in den neuen Bundesländern – haben aber trotzdem eine Meinung. Deshalb dieser Beitrag: sachlich, ehrlich, ohne Romantisierung. Weil die neuen Bundesländer mehr sind als "ehemalige DDR". Weil es hier Lebensqualität gibt, die viele unterschätzen.

In diesem Artikel erfährst du, welche Stadtteile es in Rostock gibt, was die offiziellen Seniorenprogramme konkret bedeuten, was das Leben dort kostet, wie der Alltag realistisch aussehen kann, und für wen Rostock passt – und für wen nicht.

Los geht's.

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Warum Rostock als Altersruhesitz? Die wichtigsten Zahlen und Fakten

Rostock ist keine typische Rentnerstadt wie Baden-Baden oder Westerland. Rostock ist jung und alt gleichzeitig. Studenten, Hafenarbeiter, Rentner – alles da.

Und die Zahlen sprechen eine klare Sprache.

Lage und Infrastruktur:

Rostock liegt direkt an der Ostsee. Der Stadtteil Warnemünde hat einen breiten Sandstrand, den Alten Strom mit Fischrestaurants und einen Leuchtturm. Von der Innenstadt sind das 12 Minuten mit der Straßenbahn. Die Rostocker Heide – 6.000 Hektar Wald – liegt direkt vor der Tür. Das klingt erstmal touristisch. Ist es auch. Aber halt auch Alltag für die Menschen, die dort leben. Dort Wohnen wo andere Urlaub machen - wer wünscht sich das nicht?

Die Stadt hat 31 Stadtteile. Von der historischen Altstadt über sanierte Gründerzeitviertel bis zu den Plattenbauvierteln aus den 70ern und 80ern. Für jeden Geldbeutel ist was dabei.

Wohnen in Rostock – was es kostet:

Die durchschnittliche Kaltmiete in Rostock liegt bei 9,43 Euro pro Quadratmeter (Stand Q3 2025). Das ist leicht über dem Bundesdurchschnitt von 9 Euro. Aber: Die Unterschiede zwischen den Stadtteilen sind enorm.

Günstige Viertel (7-8 Euro/m²):
Dierkow-Neu, Toitenwinkel, Groß Klein – typische Plattenbausiedlungen aus den 70ern und 80ern. Saniert, mit Aufzügen, Grünanlagen, guter Infrastruktur.

Mittlere Preislage (9-11 Euro/m²):
KTV (Kröpeliner-Tor-Vorstadt), Reutershagen, Südstadt – urbane Viertel mit Altbauten und Mix aus Alt und Neu.

Teure Lagen (12-15 Euro/m²):
Warnemünde, Gehlsdorf – Strand oder Wasser direkt vor der Tür, begrenzte Bebauungsflächen, hohe Nachfrage.

Zum Vergleich: Hamburg liegt bei durchschnittlich 14+ Euro pro Quadratmeter, München noch deutlich höher. Wer in Hamburg 800 Euro warm für 55 Quadratmeter zahlt, bekommt in Rostock für das gleiche Geld 80-90 Quadratmeter in mittlerer Lage.

Lebensqualität – was die Rostocker sagen:

88 Prozent der Rostocker leben laut Bürgerumfrage 2022 gern in ihrer Stadt. Das ist keine Werbekampagne, sondern eine repräsentative Befragung. Die Mietkostenbelastung liegt bei 26,9 Prozent des Haushaltseinkommens – und ist in den letzten Jahren sogar leicht gesunken.

Was viele Menschen an Rostock schätzen: Die Mischung. Meer und Stadt. Natur und Kultur. Kurze Wege. Alles ist mit der Straßenbahn erreichbar. Die Bahnen sind barrierefrei, Niederflur, mit Rampen.

Ist Rostock perfekt? Nein. Aber funktional. Und bezahlbar.

Was macht Rostock besonders? Die offizielle Seniorenpolitik

Hier wird's interessant. Denn Rostock plant das Älterwerden nicht irgendwie. Rostock hat System.

Mecklenburg-Vorpommern war 2010 eines der ersten Bundesländer mit einem Seniorenmitwirkungsgesetz. Praktisch bedeutet das: Ältere Menschen haben ein gesetzlich verankertes Recht auf Mitsprache. In jedem Landkreis, in jeder Stadt gibt es Seniorenbeiräte. Die werden angehört. Die mischen sich ein. Die werden gehört.

Von 2011 bis 2016 gab es eine Enquete-Kommission "Älter werden in Mecklenburg-Vorpommern". 11 Landtagsabgeordnete, 10 Sachverständige, 4 Jahre Arbeit. Das Ergebnis: konkrete Handlungsempfehlungen. Und die wurden tatsächlich umgesetzt. Nicht nur diskutiert. Umgesetzt.

Was das praktisch für Rostock bedeutet:

Seit 2018 gibt es jährlich Regionalkonferenzen "Älter werden im Landkreis Rostock". Da treffen sich Bürgermeister, Pflegedienste, Wohnungsgesellschaften, Ärzte – und Senioren selbst. Und reden darüber, was fehlt. Wo's hakt. Was besser werden muss. Das ist keine Alibi-Veranstaltung. Das sind Arbeitstreffen mit Ergebnissen.

Die Stadt hat Begegnungszentren in allen Stadtteilen aufgebaut. In den Plattenbauvierteln genauso wie in der Innenstadt:

  • Groß Klein: AWO Stadtteil- und Begegnungszentrum, Gerüstbauerring 28
  • Lütten Klein: Stadtteil- und Begegnungszentrum, Danziger Straße 45d
  • Toitenwinkel: DRK-Zentrum "T'winkelhus", Olof-Palme-Straße 26 (Mehrgenerationenhaus)
  • Dierkow: VS-Begegnungszentrum, Kurt-Schumacher-Ring 160
  • Südstadt: "Heizhaus" (Tychsenstraße 22) und "Pumpe" (Ziolkowskistraße 12a)

Dort gibt's nicht nur Kaffeetrinken. Dort gibt's kostenlose Bewegungskurse für Menschen ab 60. Jeden Donnerstag. Seit Jahren. Finanziert durch die Stadt und die Techniker Krankenkasse. Nordic Walking, Gedächtnistraining, Skat, Vorträge zu Gesundheitsthemen.

In Evershagen – einem typischen Plattenbaugebiet im Nordwesten – läuft seit Jahren das Programm "LeGeR" (Lebensqualität und Gesundheit in Rostock). Entwickelt vom Gesundheitsamt der Stadt, dem Träger "Institut Lernen und Leben" und der TK. Ziel: Menschen zusammenführen, Bewegung fördern, Gesundheitskompetenz stärken. Für alle Altersgruppen, mit besonderem Fokus auf ältere Menschen.

In der Südstadt und Biestow gibt's seit Jahren "Gesund älter werden" – kostenlose Bewegungsangebote auf Grünflächen, jeden Donnerstag von 14 bis 15 Uhr. Frische Luft, Gleichgesinnte, kein Beitrag.

Schmarl ist sogar Modellregion für Pflegeversorgung. Dort testet die Stadt zusammen mit Pflegediensten und der AWO, wie man Pflege und Lebensqualität im Quartier verbessern kann. Mit innovativen Wohnformen direkt in den Plattenbauten. Ambulant betreute Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz – mitten im Stadtteil, nicht irgendwo am Stadtrand versteckt.

Das ist keine PR. Das sind Strukturen. Mit Budget. Mit Personal. Mit Kontinuität.

Rostock hat verstanden: Wenn fast ein Drittel der Bevölkerung über 60 ist, braucht es mehr als ein paar Bänke im Park. Es braucht System.

Welche Stadtteile gibt es in Rostock?

Rostock hat 31 Stadtteile. Nicht alle sind gleich interessant für Menschen ab 60. Hier die wichtigsten – sortiert nach Preis und Charakter.

GÜNSTIG: Plattenbauviertel (7-8 Euro/m²)

Die sanierten Plattenbauten der 70er und 80er Jahre. Klingt erstmal nicht sexy. Aber: Diese Viertel haben systematisch investiert. Aufzüge in fast jedem Haus, barrierefreie Wohnungen, riesige Grünflächen zwischen den Gebäuden, kurze Wege zu Ärzten, Einkaufszentren und Straßenbahnhaltestellen.

Lütten Klein (Nordwesten):
Miete ca. 7,50-8,50 Euro/m². 10 Minuten mit der Straßenbahn nach Warnemünde. Shoppingcenter "Lütten Klein" direkt im Viertel mit Supermarkt, Drogerie, Kino. Viele Ärzte. Begegnungszentrum sehr aktiv. Für wen: Menschen, die Meer UND urbanes Leben wollen, ohne weit zu fahren.

Evershagen (Nordwesten):
Miete ca. 7-8 Euro/m². Viel Grün, ruhiger als Lütten Klein. Rostocker Heide 2 Kilometer entfernt (mit Bus oder Straßenbahn). LeGeR-Programm aktiv. Für wen: Naturverbundene, die Ruhe schätzen, aber Infrastruktur brauchen.

Groß Klein (Nordwesten):
Miete ca. 7,50-8 Euro/m². AWO-Begegnungszentrum sehr aktiv, viele Angebote. Für wen: Menschen, die soziale Kontakte suchen und Gemeinschaft schätzen.

Toitenwinkel (Osten):
Miete ca. 7,50 Euro/m². DRK-Mehrgenerationenhaus "T'winkelhus" – generationsübergreifende Angebote. Für wen: Gemeinschaftsorientierte Menschen.

Dierkow (Osten):
Miete ca. 7,30-8 Euro/m². Nahe Rostocker Heide, ruhig, günstig. Für wen: Preisbewusste.

MITTEL: Gründerzeit und Mischviertel (9-11 Euro/m²)

KTV (Kröpeliner-Tor-Vorstadt):
Miete ca. 10-11 Euro/m². Urbanes Szeneviertel, viele Studenten, Cafés, Restaurants. Altbauten, saniert. Fußläufig zur Innenstadt. Für wen: Menschen, die städtisches Leben mögen und sich an jungen Nachbarn nicht stören.

Reutershagen:
Miete ca. 9-10 Euro/m². Ruhiges Wohnviertel mit viel Grün, zwischen Innenstadt und Heide. Gründerzeitbauten und Einfamilienhäuser gemischt. Für wen: Menschen, die Ruhe UND Stadtnähe wollen.

Südstadt und Biestow:
Miete ca. 8-9 Euro/m². Mix aus sanierten Plattenbauten und Altbauten. Nähe zur Innenstadt (fußläufig oder 1-2 Straßenbahnstationen). Begegnungszentren "Heizhaus" und "Pumpe" aktiv. Für wen: Menschen, die urbanes Leben schätzen, aber nicht im Trubel wohnen wollen.

TEUER: Strand und Wasserlagen (12-15 Euro/m²)

Warnemünde:
Miete ca. 12-15 Euro/m². Direkt am Strand. Alter Strom, Leuchtturm, Fischrestaurants, touristische Infrastruktur. Im Sommer voll, im Winter ruhig. Für wen: Menschen mit höherer Rente, die das Meer direkt vor der Tür haben wollen.

Gehlsdorf:
Miete ca. 11-13 Euro/m². Ruhige Villenlage am Wasser (Warnow), hohe Lebensqualität, viel Grün. Für wen: Menschen, die Ruhe und Natur schätzen und sich höhere Mieten leisten können.

Was alle gemeinsam haben:

Gute Straßenbahnanbindung. Ärzte in der Nähe. Einkaufsmöglichkeiten fußläufig. Grünflägen. Und: Die Stadt investiert kontinuierlich in Barrierefreiheit.

Wie könnte der Alltag in Rostock aussehen? Typische Szenarien

Genug Theorie. Wie lebt es sich wirklich in Rostock als Rentner oder Rentnerin? Hier drei realistische Alltagsbilder mit konkreten Wegen, Zeiten und Kosten.

Szenario 1: Der aktive Vormittag in Evershagen

8:00 Uhr: Brötchen beim Bäcker im Erdgeschoss des Wohnblocks holen. 50 Meter vom Hauseingang. Kein Auto nötig.

9:00 Uhr: Nordic-Walking-Gruppe im LeGeR-Programm. Treffpunkt direkt am Begegnungszentrum. Kostenlos. Jeden Montag. Die Gruppen sind offen, man kann einfach vorbeikommen.

10:30 Uhr: Kaffee im Begegnungszentrum. Austausch mit anderen. Manchmal gibt's Vorträge zu Gesundheitsthemen – Sturzprävention, Ernährung im Alter, digitale Angebote. Was man will.

11:30 Uhr: Wocheneinkauf im Einkaufszentrum Evershagen (5 Gehminuten). Edeka, Rossmann, Bäcker, Fleischer. Alles da. Barrierefreier Zugang.

13:00 Uhr: Mittagessen daheim. Wohnung im 4. Stock, Aufzug vorhanden. Balkon mit Blick ins Grüne.

Was das kostet: Nordic-Walking-Stöcke (einmalig 30-50 Euro), ansonsten nichts. Die Bewegungsangebote sind kostenlos. Kaffee im Begegnungszentrum oft gegen Spende (1-2 Euro).

Szenario 2: Der entspannte Strandtag aus Lütten Klein

10:00 Uhr: Straßenbahn Linie 1 Richtung Warnemünde. Haltestelle 200 Meter von der Wohnung. Barrierefreie Niederflurbahn. Fahrzeit: 12 Minuten.

10:12 Uhr: Ankunft Warnemünde, direkt am Alten Strom.

Strandspaziergang. Der Sandstrand ist breit, auch mit Rollator gut begehbar. Fischbrötchen am Alten Strom (4-6 Euro). Auf der Bank sitzen, Schiffe gucken. Im Sommer sind Kreuzfahrtschiffe da, im Winter ist's ruhiger.

13:00 Uhr: Mittagessen in einem der Restaurants. Fisch, natürlich. Preislich moderat (Hauptgericht 10-15 Euro). Es gibt auch günstigere Imbisse.

15:00 Uhr: Zurück mit der Straßenbahn. Oder noch ein bisschen durch Warnemünde bummeln – der Ort ist klein, alles fußläufig.

16:00 Uhr: Daheim. Füße hoch. Zufrieden.

Was das kostet: Straßenbahn-Monatskarte ca. 50 Euro (ermäßigt für Senioren). Essen auswärts. Sonst nichts. Der Strand ist kostenlos. Die Seeluft auch.

Szenario 3: Der gesellige Nachmittag in Groß Klein

14:00 Uhr: AWO-Begegnungszentrum Groß Klein, Gerüstbauerring 28. Heute: Spielenachmittag. Skat, Rommé, Schach. Was man mag. Die Angebote wechseln – mal Basteln, mal Singen, mal Gedächtnistraining.

Kaffee und Kuchen für 2 Euro. Oft selbstgebacken von ehrenamtlichen Helfern.

Gespräche. Austausch. Lachen. Was man in Foren oft liest: Menschen schätzen die Regelmäßigkeit. Man kennt sich. Man erwartet einander. Das gibt Struktur.

16:30 Uhr: Kurzer Spaziergang durch die Grünanlagen. Groß Klein hat erstaunlich viel Grün zwischen den Häusern. Bänke zum Ausruhen alle 100 Meter. Gut durchdacht.

17:30 Uhr: Zurück in der Wohnung. Abendessen vorbereiten. Tatort gucken.

Was das bedeutet: Soziale Kontakte. Regelmäßigkeit. Struktur. Niemand muss allein sein. Wer will, findet Anschluss.

Was das kostet: 2 Euro für Kaffee und Kuchen. Manchmal eine kleine Spende für das Begegnungszentrum. Die Teilnahme an den Angeboten ist frei.

Diese Szenarien sind nicht erfunden. Sie basieren auf den offiziellen Programmen, den Straßenbahnverbindungen, den Öffnungszeiten der Begegnungszentren. So kann Alltag in Rostock aussehen für Menschen ab 60. 

Was kostet das Leben in Rostock wirklich?

Jetzt wird's konkret. Was bleibt von der Rente übrig? Hier drei Beispielrechnungen für verschiedene Wohnlagen.

Beispiel 1: Plattenbauviertel Lütten Klein (günstig)

2-Zimmer-Wohnung, 55 Quadratmeter, 4. Stock mit Aufzug

  • Kaltmiete: 55 m² × 7,50 €/m² = 412,50 €
  • Nebenkosten: ca. 2,20 €/m² × 55 m² = 121 €
  • Warmmiete gesamt: 533,50 €

Lebenshaltung (Single-Haushalt):

  • Lebensmittel: ca. 250-300 € (moderate Ansprüche, regionale Produkte)
  • Strom/Internet: ca. 70 €
  • Straßenbahn-Monatskarte: ca. 50 € (Seniorentarif)
  • Sonstiges (Kleidung, Drogerie, Kultur): ca. 100-150 €

Summe: ca. 1.000-1.100 € pro Monat

Bei einer durchschnittlichen Rente für Frauen in Ostdeutschland von ca. 1.200 Euro bleiben 100-200 € Puffer. Bei Männern (Durchschnittsrente Ost ca. 1.400 €) sind es 300-400 €.

Nicht viel. Aber machbar. Vor allem, wenn man bedenkt: kostenlose Bewegungsangebote, kostenlose Begegnungszentren, kostenloser Strand.

Beispiel 2: Reutershagen (mittlere Lage)

2-Zimmer-Altbauwohnung, 60 Quadratmeter, 2. Stock ohne Aufzug

  • Kaltmiete: 60 m² × 10 €/m² = 600 €
  • Nebenkosten: ca. 2,20 €/m² × 60 m² = 132 €
  • Warmmiete gesamt: 732 €

Lebenshaltung: ähnlich wie oben, ca. 470-520 €

Summe: ca. 1.200-1.250 € pro Monat

Bei durchschnittlicher Rente bleibt hier weniger Spielraum. Machbar, aber knapp.

Beispiel 3: Warnemünde (teuer, direkt am Strand)

2-Zimmer-Wohnung, 50 Quadratmeter, Meerblick

  • Kaltmiete: 50 m² × 13 €/m² = 650 €
  • Nebenkosten: ca. 2,20 €/m² × 50 m² = 110 €
  • Warmmiete gesamt: 760 €

Lebenshaltung: ca. 470-520 €

Summe: ca. 1.230-1.280 € pro Monat

Warnemünde ist die teuerste Option. Nur mit höherer Rente oder Zusatzeinkommen (Vermietung, Ersparnisse) machbar.

Zum Vergleich: Hamburg

2-Zimmer-Wohnung, 55 Quadratmeter, Hamburg-Altona

  • Kaltmiete: 55 m² × 14 €/m² = 770 €
  • Nebenkosten: ca. 150 €
  • Warmmiete gesamt: 920 €

Lebenshaltung: ca. 500-550 € (Hamburg ist teurer)

Monatskarte HVV: ca. 110 € (Seniorenticket)

Summe: ca. 1.530-1.580 € pro Monat

Bei gleicher Durchschnittsrente von 1.200-1.400 €: Minus statt Puffer.

Die Rechnung ist klar: In Rostock ist mit Durchschnittsrente ein selbstbestimmtes Leben möglich. In Hamburg wird's eng.

Für wen ist Rostock als Altersruhesitz geeignet – und für wen nicht?

Rostock ist keine Lösung für alle. Hier eine ehrliche Einschätzung.

Rostock passt, wenn du:

  • Mit durchschnittlicher Rente gut leben willst (1.000-1.200 € reichen in günstigen Vierteln)
  • Meer und Natur schätzt, aber nicht einsam wohnen willst
  • Kurze Wege magst (alles fußläufig oder mit ÖPNV erreichbar)
  • Soziale Kontakte suchst (Begegnungszentren, Nachbarschaft funktioniert oft)
  • Barrierefreiheit brauchst oder bald brauchen wirst (Aufzüge sind Standard in Plattenbauten)
  • Kulturangebote schätzt (Theater, Volkstheater, Museen, Konzerte vorhanden)
  • Milde Winter magst (maritimes Klima, selten unter -5 Grad)
  • Pragmatisch denkst statt romantisch (Rostock ist funktional, nicht spektakulär)

Rostock passt NICHT, wenn du:

  • Familie und Freunde in den alten Bundesländern hast und sie oft sehen willst (Berlin ist nah, Hamburg auch – aber München, Köln, Frankfurt sind weit)
  • Berge brauchst (Mecklenburg-Vorpommern ist flach, höchster Punkt 179 Meter)
  • Hochkultur wie in München oder Hamburg erwartest (Rostock hat Kultur, aber in kleinerer Dimension)
  • Plattenbauten grundsätzlich ablehnst UND dir teurere Viertel nicht leisten kannst (dann wird's schwierig)
  • Sehr hohe Ansprüche an Restaurants und Shopping hast (es gibt beides, aber nicht in Großstadt-Vielfalt)
  • Angst vor Wind hast (die Ostsee bringt Wind mit, im Herbst und Winter vor allem)

Rostock ist eine pragmatische Lösung. Keine Luxuslösung. Aber eine, die funktioniert. Mit System. Mit Herz für ältere Menschen. Mit bezahlbarem Wohnraum.

Wie zieht man nach Rostock? Die praktischen Schritte

Falls du ernsthaft überlegst – so gehst du vor:

Schritt 1: Erstmal anschauen

Buch dir eine Kurz-Städtereise für 3-4 Tage. Nicht im Hochsommer (zu touristisch), besser im Frühling oder Herbst.

Was anschauen:

  • Verschiedene Stadtteile: Lütten Klein, Evershagen, Reutershagen, Südstadt, Warnemünde
  • Begegnungszentren besuchen (einfach reingehen, niemand beißt)
  • Mit Menschen vor Ort sprechen (im Café, im Begegnungszentrum, an der Haltestelle)
  • Straßenbahn fahren, Infrastruktur testen
  • Mindestens einmal nach Warnemünde zum Strand

Schritt 2: Wohnung suchen

Wohnungsgenossenschaften (oft günstiger und sozialer):

  • WIRO – Wohnen in Rostock (größte Genossenschaft)
  • Union Rostock (ca. 9.500 Wohnungen)

Immobilienportale:

  • Immobilienscout24
  • Immonet
  • Ebay Kleinanzeigen

Worauf achten:

  • Aufzug vorhanden? (kritisch ab 60+)
  • Barrierefrei oder zumindest schwellenarm?
  • Wie weit zur nächsten Straßenbahnhaltestelle?
  • Arzt, Supermarkt, Apotheke fußläufig?
  • Begegnungszentrum im Stadtteil?

Schritt 3: Umzug organisieren

Seniorenfreundliche Umzugsunternehmen beauftragen (auf Google suchen: "Seniorenumzug Rostock" oder überregionale Firmen).

Wichtige Formalitäten:

  • Meldebescheinigung beim Einwohnermeldeamt Rostock beantragen
  • Rentenversicherung über Adressänderung informieren
  • Krankenkasse informieren
  • Hausarzt suchen (Listen bei der Kassenärztlichen Vereinigung Mecklenburg-Vorpommern)

Schritt 4: Ankommen

  • Begegnungszentren in deinem Stadtteil besuchen (Termine auf rostock.de oder direkt vor Ort fragen)
  • An Bewegungsangeboten teilnehmen
  • Nachbarschaft kennenlernen (im Treppenhaus grüßen ist hier üblich)
  • Straßenbahn-Monatskarte kaufen (ca. 50 € Seniorentarif)

Die Stadt Rostock hat ein Seniorenbüro, das bei Fragen hilft. Kontakt und Beratungszeiten findest du auf rathaus.rostock.de unter "Seniorenbeirat".

Das Gesundheitsamt bietet Beratung zu Bewegungsangeboten und Präventionsprogrammen (LeGeR, "Gesund älter werden").

Zusammengefasst: Lohnt sich Rostock als Altersruhesitz?

Rostock ist keine Lösung für alle. Aber für Menschen, die mit begrenzter Rente trotzdem gut leben wollen, ist die Hansestadt eine echte Option.

Die Stadt hat verstanden, dass sie eine der ältesten Bevölkerungen Deutschlands hat – und hat systematisch reagiert. Mit Infrastruktur. Mit Programmen. Mit bezahlbarem Wohnraum. Mit einem Seniorenmitwirkungsgesetz, das bundesweit zu den ersten gehörte.

Das Meer ist nah. Die Rostocker Heide auch. Die Mieten liegen zwischen 7 und 15 Euro pro Quadratmeter, je nach Viertel. Die Begegnungszentren sind kostenlos. Der Strand auch. Die Straßenbahnen sind barrierefrei.

Vielleicht ist Rostock deine Stadt.

Die wichtigsten Punkte:

  • Mieten ab 7 Euro/m² in sanierten Plattenbauvierteln, bis 15 €/m² in Warnemünde
  • Offizielle Seniorenprogramme: Begegnungszentren in allen Stadtteilen, kostenlose Bewegungsangebote
  • Ostsee in 10-12 Straßenbahnminuten erreichbar
  • Systematische Barrierefreiheit (Aufzüge Standard, ÖPNV komplett barrierefrei)
  • Mit Durchschnittsrente gut lebbar (Beispielrechnung: ca. 1.000-1.100 €/Monat in günstigen Vierteln)

Überleg dir, was dir wichtig ist: Geld, Meer, Infrastruktur, soziale Kontakte, Barrierefreiheit. Wenn mehrere dieser Punkte passen, ist Rostock einen zweiten – oder dritten – Blick wert.

Genieß dein Leben. Du hast nur eins.

Viele Grüße,
Marlis

Wer schreibt hier?

Ich bin Marlis Schorcht und ich schreibe hier über das, was viele lieber verdrängen: dass wir älter werden. Nicht irgendwann, sondern jetzt, jeden Tag.

Warum ich das tue:
Weil Altern keine Krankheit ist, die man bekämpfen muss, sondern eine Lebensphase, die man gestalten kann. Bewusst, selbstbestimmt, ohne Angst.

Auf Leben-und-Altern.de schreibe ich über das Leben nach der Arbeit, über Sinn, Gesundheit, Beziehungen, Einsamkeit und Geld. Über die 20 Jahre, über die kaum jemand spricht und darüber, wie man sie mit mehr Lebensqualität, Klarheit und Gelassenheit erleben kann.

Schreib mir gern:
Wenn du Gedanken, Fragen oder Herausforderungen zum Thema hast. Oder wenn du etwas erlebt hast, das anderen Mut machen könnte, etwas, das dich verändert oder weitergebracht hat.

Ich freue mich auf den Austausch:
👉 Schreib mir eine e-Mail.

Marlis Schorcht sitzt am Schreibtisch und lächelt in die Kamera
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