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Du entscheidest, wie du reagierst.

Wie du deine Gefühle und Energien bewusster steuerst - nicht nur im Alter.

Älter werden: Wie klang das früher für dich? Für Viele klingt es nach wie vor nach Einschränkungen, Krankheiten, abnehmender Lebensenergie und Eintönigkeit. Unsere Gesellschaft hat den Code des Alterns leider noch nicht geknackt. Anti-Aging ist dabei zu einem Begriff geworden, nach dem es zu Streben gilt. Anti-Aging als Ziel des Alterns zu kommunizieren ist aber eher kontra-produktiv für den und die Einzelne*n. Ist es nicht viel schöner, sich sein Alter bewusst zu sein, es bewusst zu leben und zu genießen? Ist es nicht viel besser, sein Alter anzuerkennen und damit umgehen zu lernen, als es durch Anti-Aging-Werbung zu verleugnen und dadurch den eigenen Selbstwert also eher zu senken, statt zu stärken?

Es ist wichtig, eine positive Sichtweise auf das Alter zu haben!

Positiv denken im Alter

Wir brauchen eine positive Einstellung zum Alter. Denn jede Phase des Lebens ist eine Reise und ein erLEBEN wert. Wie wundervoll, dass du altern darfst! Wer nicht altert, ist bereits gestorben. Das Leben ist ein Geschenk. Jeder weitere Tag deines Lebens, deines Alterns, ist ein Geschenk. Jeder Tag bietet dir die einmalige Chance, dein Leben zu gestalten.

In diesem Beitrag möchte ich dir Wege aufzeigen, die es dir leichter machen, positiv zu denken. Strategien, die dir helfen, Gefühle und Energien im Alter bewusster zu steuern, um pro-aktiv und selbstbestimmt dein Altern zu gestalten.

Reaktives Denken verhindert ein positives Selbstbild

Stell dir vor: Nach einer heutigen Studie haben die Menschen 1. Angst alt zu werden und 2. ein überwiegend negatives Bild vom Altern. Ein interessanter Fall von „Selbsterfüllender Prophezeiung“, findest du nicht auch? Das Alter wird überwiegend mit der Zunahme von körperlichen Einbußen, Vergesslichkeit, sozialem Verlust und finanzieller Einschränkung verbunden.

Statistik: Wenn Sie an das Alter denken, wovor fürchten Sie sich am meisten? | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Doch dies ist nicht der einzige Grund dafür, dass Menschen sich schlecht fühlen. Es gibt noch einen zweiten Grund. Viele Menschen reagieren und denken reaktiv. Das bedeutet, diese Menschen sind nicht der Gestalter ihres Lebens. Vielmehr lassen sie sich von den äußeren Umständen des Lebens beeinflussen. Ihr Wohlbefinden und ihr Selbstbild sind abhängig von äußeren Einflüssen.

Vielleicht kennst du einige dieser Gedanken:

  • „Wenn ich nur mehr Zeit für mich selber haben könnte“
  • „Wenn ich nur einen anderen Job gehabt und jetzt mehr Rente hätte.“
  • „Wenn mein*e Partner*in nur liebevoller wäre.“
  • „Wenn ich nur mehr Freunde hätte.“
  • „Wenn ich nur mehr Sport machen könnte.“
  • „Wenn ich nur besser, bewusster und gesünder essen könnte.“

Diese Gedanken sind eindeutig reaktiv. Sie implizieren, dass wir haben keinerlei Möglichkeiten haben, diese Umstände zu ändern. Deswegen lassen wir die Gedanken bestimmen, wie wir uns fühlen. Frei nach dem Motto: „Aber das ist halt so.“ und „Ich kann da eh nichts ändern.“ Wir machen uns von den Umständen abhängig.

Dein Weg zur Pro-Aktivität

Ein Gegenstück kann der Pro-Aktivismus sein. Um in diese Gedankenwelt des positiven und bewussten Denkens einzutreten, müsst Ihr im ersten Schritt eure Gewohnheiten durchbrechen.

1. Gewohnheiten durchbrechen

Jetzt werdet Ihr euch fragen, wie soll ich denn meine langen erlernten und schon in der Kindheit konditionierten Gewohnheiten durchbrechen? Wie soll das gehen?

Nun ja, dafür solltet ihr erstmal verstehen, was Gewohnheiten überhaupt sind. Gewohnheiten sind der Schnittpunkt aus Wissen, Können und Wollen. Um unsere Gewohnheiten zu durchbrechen, müssen wir unser Wissen hinterfragen.

Und hinterfragen können wir Dinge am besten, indem wir zuhören! Wenn wir beispielsweise das Gefühl haben, dass unsere Partnerschaft schlecht läuft, dann müssen wir lernen, mehr zuzuhören. Also wirklich zuzuhören. Dieser Prozess ist auch als „Aktives Zuhören“ bekannt. Vielleicht hast du davon bereits gehört.

2. Wie du lernst, aktiv zuzuhören

Aktives Zuhören bedeutet, dass wir uns voll und ganz auf den Gesprächspartner einlassen. Aktives Zuhören gelingt dir, wenn du die folgenden 5 Tipps berücksichtigst:

  1. Blickkontakt halten: es ist wichtig unseren Gegenüber ernst zu nehmen, darum halten wir Blickkontakt, um zu signalisieren, dass unser Gesprächspartner unsere volle Aufmerksamkeit erhält
  2. Bestätigung geben: Bestätigung geben heißt so viel wie Verständnis zeigen. Nicken, um zu signalisieren, dass wir zuhören und unseren Gesprächspartner verstehen.
  3. Sachinhalte des Gespräches wahrnehmen: Hier ist das Paraphrasieren sehr wichtig. Hier geht es um wörtliche Aussagen, Wörter und Sätze, Argumente, Fakten und Beispiele. Diese sollen paraphrasiert werden. Das bedeutet, wir wiederholen wörtlich und mit eigenen Worten, was unser Gesprächspartner inhaltlich gesagt hat. Somit versichert man sich, ob man den sachlichen Inhalt des vom Gesprächspartner gesagten Verstanden hat.
  4. Beziehungsinhalte des Gespräches wahrnehmen: Hier ist das Verbalisieren sehr wichtig. Dabei sind vor allem Mimik, Gestik, Tonfall und Lautstärke, Sprechtempo und die Atmung ausschlaggebend. Verbalisieren bedeutet somit, mit eigenen Worten das wiederholen, was emotional an eine Aussage geknüpft ist. Es kann auch angedeutet oder gesagt werden. Damit versichert man sich, ob man die Bedeutung einer emotionalen Aussage oder den emotionalen Zustand der Gesprächspartners verstanden hat.
  5. Aktives Zuhören muss somit mit der Grundhaltung übereinstimmen, den Gesprächspartner wirklich ernst zu nehmen und ihn wirklich verstehen zu wollen.

Achte jedoch darauf, dass du das Paraphrasieren und Verbalisieren nicht übertreibst, damit sich dein gegenüber nicht nachgeahmt fühlt.

Lesetipp:

Aktives Zuhören gelingt natürlich nicht von jetzt auf gleich, doch mit ein bisschen Übung wirst du feststellen, dass es dir immer leichter fällt. Und zum Schluss ist das Wollen von entscheidender Bedeutung. Es bringt natürlich alles Wissen und Können nichts, wenn du es nicht willst. Du wirst Gewohnheiten nur verändern, wenn du für dich selbst entschieden hast, Gewohnheiten ändern zu WOLLEN.

3. Perspektivwechsel

Mit sich selbst bewusster umzugehen und die Aufmerksamkeit auf positive Dinge zu lenken erreichst du auch, indem du deine Perspektive änderst. Das geschieht nur von innen nach außen. Versuch doch einfach beim nächsten externen Reiz, der dir unangenehm ist, anders zu reagieren. Das bedeutet, einen anderen Standpunkt einzunehmen.

Ein klassisches Beispiel findest du im Straßenverkehr. Stell dir vor, du wirst angehupt oder beschimpft. Wie oft macht dich das wütend oder verleitet dich das zu einem „Hey, was soll das?“ oder anderen Äußerungen?

Versucht stattdessen, dir in dieser Situation in dein Gegenüber hineinzuversetzen. Versuch zu verstehen, warum er oder sie gerade schlecht drauf ist oder es eilig hat. Versuch deinen Gegenüber zu verstehen. Vielleicht hat er oder sie einen schlechten Tag gehabt, Stress auf der Arbeit, Termindruck oder eine unglückliche Ehe.

Was hilft dir das? Versuch in diesen Situationen einfach ruhig zu bleiben und somit anders auf diese Situation und den externen Reiz zu reagieren. Dadurch kann schon viel bewirkt werden. Versuch innerlich zu lächeln, bedank dich bei der Kassiererin, wenn du an der Kasse stehst und es voll und stressig ist. Bau dir eine eigene Gedankenwelt auf. Du wirst staunen. Meistens werden dich positive Reaktionen erwarten, verbunden mit einem dankbaren Lächeln. Und wenn nicht, dann habt ihr einen schönen Tag, denn die Ursache der Gefühle deines Gegenübers kannst du meistens nicht beeinflussen. Dies ist der Perspektivwechsel. Versuch, anders zu denken. Versuch, die Welt anders wahrzunehmen.

4. Die Abhängigkeiten

Zum pro-aktiven Denken gehört noch das Verständnis der Abhängigkeiten, oder auch die Dependenzen. Die Abhängigkeiten gehören zum Wachstum des Menschen dazu. Man unterscheidet drei verschiedene Stadien der Abhängigkeiten. Das erste Stadium ist die Abhängigkeit (Dependenz), die Unabhängigkeit (Interdependenz) und die wechselseitigen Abhängigkeiten (Interdependenzen).

Wir werden geboren und sind vollkommen abhängig. Wir werden gewickelt, uns muss das Essen gereicht werden. Es ist sozusagen das Reifekontinuum vom Du: Du sorgst für mich. Du bist nicht zu mir durchgedrungen. Du bist schuld an den Ereignissen.

Im Laufe der Zeit werden wir immer größer, verstehen die Welt und werden finanziell und emotional unabhängiger von unseren Eltern. Nun sind wir im Ich: Ich kann es. Ich bin verantwortlich. Ich bin selbstständig. Somit sind wir nun unabhängig.

Diesen Status versuchen Viele zu erreichen und wird von Vielen als optimal angesehen. Alle streben nach Unabhängigkeit, die Interdependenz wird in unserer Gesellschaft als Abhängigkeit gesehen. Dass die Unabhängigkeit überbetont wird, zeugt wiederum von Abhängigkeit.

Wir lassen damit zu, dass die anderen Menschen unser Leben (negativ) beeinflussen. Wir sagen „ich muss mich selbst verwirklichen“, „ich muss mich verändern“ und vieles andere. Diese Aussagen sind meist Indizien dafür, dass man abhängig ist.

Wir fühlen uns als Opfer von Menschen und Ereignissen. Dabei sind wir selbst die Personen, die unsere Lebensumstände ändern können. Wir können selber nach Lösungen suchen.

„Ich werde mich verändern.“ oder „Ich verändere mich.“ sind die besseren Überzeugungen.

Pro-Aktivität

Die Pro-Aktivität beschreibt nun den Umgang mit externen Reizen. Du kannst dir diese Methode des Denkens zunutze machen, um gelassener und selbstbewusster zu agieren und dich besser zu fühlen.

Pro-Aktiv zu sein heißt, sich anders auf einen Reiz einzustellen und mit diesem umzugehen. Du hast die Freiheit, zu wählen, wie die Reaktion auf einen bestimmten Reiz aussehen kann. Du kannst dich in der Selbstwahrnehmung schulen, also gewohnte Strategien überdenken, deine Gewohnheiten durchbrechen.

Du kannst auch nach deiner Vorstellungskraft auf diesen Reiz anders eingehen, oder nach deinem Gewissen und schließlich auch nach deinem freien Willen handeln. Re-Aktive Menschen reagieren auf einen Reiz in einer Handlung, ohne diese zu überlegen oder sich selbst zu hinterfragen.

Es ist also umso wichtiger, mit deinem Denken die Dinge selbst zu lenken, die Dinge zu steuern und in eine positive Richtung zu beeinflussen.

Pro-Aktivität bedeutet, selbst die Initiative zu ergreifen. Wie es mir geht, wie ich meine Situation und meine Gefühle ändern kann, aber nicht nur das. Es geht um viel mehr.

Wir sind selbst für unser Leben verantwortlich. Jede*r Einzelne. Du bist für dein Leben verantwortlich. Ich bin für mein Leben verantwortlich. Unser Verhalten und unser Wohlbefinden hängt somit von unseren Entscheidungen ab und nicht von äußeren Umständen.

Du kannst entscheiden, wie du dein Leben gestaltest. Das bedeutet, es wird nicht von außen zugeschrieben, wie alt du bist, sondern du hast es selber in der Hand, zu entscheiden, wie alt du dich fühlst. Denn das Alter ist nur eine Zahl.

Die Interessenbereiche

Jeder von uns hat seinen eigenen Interessenbereich. Du möchtest gern deinen Garten ausbauen. Ich möchte gern mit meinen Kindern mehr Zeit verbringen. Also können wir durch unser Handeln einen gewissen Einflussbereich auf unseren Interessenbereich aufbauen. Indem du dir verschiedene Materialien kaufst, die du für deinen Garten benötigst und Zeit investierst, hast du einen großen Einfluss auf deinen Interessenbereich. Somit hast du die volle Aufmerksamkeit auf deinen Interessenbereich gelegt. Ich kann mir die Zeit vielleicht nicht so frei einteilen. Ich muss arbeiten, nebenher muss ich noch eine große Strecke pendeln. Somit ist mein Einfluss nicht so groß auf meinen Interessenbereich. Wenn ich jetzt Pro-Aktiv werde und versuche meine Zeit zu optimieren, habe ich eventuell einen größeren Einflussbereich. Ich kann auch versuchen meinen Job zu kündigen und versuchen einen neuen Job in meiner Heimatstadt zu finden, um meinen Einfluss im Interessenbereich zu vergrößern.

Hinzukommen noch verschiedene weitere Einflussgrößen.

  1. Die direkte Kontrolle: Hier sind alle Probleme aufgeführt, die mit unserem eigenen Verhalten zu tun haben
  2. Die indirekte Kontrolle: Probleme, die mit anderen Menschen zu tun haben
  3. Keine Kontrolle: Probleme, an denen wir nichts ändern können

Das bedeutet, dass wir noch unterscheiden, in wie weit wir unseren Einfluss ausweiten können. Natürlich haben wir auf unser Verhalten den größten Einfluss. Doch auch auf andere Menschen können wir einen großen Einfluss ausüben. Nehmen wir das Beispiel von oben. Wenn du die Kassiererin anlächelst und selbst im größten Stress freundlich bist, dann hast du den Einfluss auf deinen und auch ihren Interessenbereich, nach einem entspannten Tag, deutlich vergrößert.

Keine Kontrolle hast du in den Bereichen, die du einfach nicht wahrnehmen kannst. So lange du nicht wählen gehst, hast du keinen Einfluss auf den Ausgang der Wahlen. Gehst du aber wählen, kannst du deinen Einflussbereich vergrößern.

Warum es wichtig ist, Pro-Aktiv zu werden, oder wie sich dein Leben verändern wird, wenn du Pro-Aktiv wirst

  1. Du hast die Kontrolle über deine Emotionen und kannst dadurch gelassener werden bzw. sein.
  2. Du weißt was du willst, du kannst dein Alltag bewusster erLEBEN.
  3. Du kannst dein Alter bewusster leben, denn du entscheidest, wie du mit Zuschreibungen umgehst, die durch die Gesellschaft auferlegt werden.
  4. Du gestaltest dein Umfeld, indem du dein Interessenfeld ausweitest.
  5. Du bist Gestalter deines Lebens.

Und jetzt bist du dran. Gestaltest du deine Reaktionen und Gedanken bereits pro-aktiv oder lässt du dich oft von externen Meinungen, Einflüssen und Reaktionen leiten? Welche Strategien helfen dir, positiv und bewusst deinen Alltag zu gestalten?

Kennst du schon unsere Facebook-Seite? Folge uns und werde Teil der Leben-und-Altern-Gemeinschaft. Du bist Gestalter*in deines Alterns.

Ich freue mich auf dich!

Marlis Schorcht

Marlis beschäftigt sich seit 2010 mit dem demografischen Wandel und dessen Folgen für die Gesellschaft und jeden Einzelnen. Ihr Herz schlägt für ein Altern in den eigenen vier Wänden, einen gelingenden Ruhestand und ein glückliches Leben im Jetzt! Sie ist Alter(n)sgestalterin und hilft als Mindset- und Life-Coach bei der Vorbereitung, Planung und Umsetzung des Ruhestandes, sowie bei der Persönlichkeitsentwicklung im Alter. Marlis hat einen Master in Integrierter Gerontologie und ist Diplom-Betriebswirtin. Sie war 13 Jahre lang Projektleiterin von medizinischen Großkongressen und ist seit mehr als 5 Jahren Online-Marketing-Expertin und Coach für Digitale Sichtbarkeit.

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